Was benutzt wird, entwickelt sich

Führungskräfte sind Menschen, und Menschen sind biologische Wesen. Auch unser Gehirn ist biologischer Natur. Dies bringt Vorteile mit sich. Denn biologische Systeme unterliegen einer wichtigen Regel: Wenn ich sie verwende, entwickeln sie sich. Wenn ich den Gebrauch einstelle oder unterbreche, dann bilden sie sich zurück. Das gilt nicht nur für unsere Muskeln, sondern insbesondere für unser Gehirn.

Woody Allen sagte in seinem Film «Sleeper» (1973): «My brain? That’s my second favorite organ.» Da gehe ich als Neurologe einen Schritt weiter. Mein Gehirn ist mit Abstand mein Lieblingsorgan. Denn das Gehirn ist unsere Steuerzentrale. Es ist der Sitz unseres Erlebens und unserer Persönlichkeit. Es ist der Ort, wo Vernunft und Gefühl zu Hause sind. Es ist unser persönliches Universum.

Und es ist das Organ, das Führungskräfte eigentlich ausmacht. Seine Funktionsfähigkeit und seine Eigenschaften erlauben es, die Komplexität des Führungsalltages zu erfassen, das Aussen und das Innen bei sich selbst und bei anderen Menschen wahrzunehmen und zu steuern. Das Gehirn der Führungskraft ist auf Hochleistungsniveau.

Wichtig zu wissen: Im Gegensatz zu Maschinen, die sich bei Gebrauch abnutzen, wird das Gehirn durch Verwendung besser. Es adaptiert im Einsatz, sucht Abkürzungen. Es ist kreativ, indem es Leistungen des Transfers aus einem Bereich in einen anderen erbringt. So ist es sinnvoll, unser Gehirn mit neuen Aufgaben, aber auch mit Informationen aus berufsfernen Bereichen zu füttern. Die Beschäftigung mit Kunst und Kultur und das Reisen dienen als psychische Ressourcen. Darüber hinaus können sie unsere Kreativität in der beruflichen Tätigkeit vergrössern. Zum Beispiel als Quelle guter Ideen und unkonventioneller Lösungsansätze.

Mein Fazit: ein Plädoyer, unser Gehirn möglichst intensiv in den verschiedensten Lebensbereichen aktiv zu nutzen. Dies gezielt, aber auch spielerisch. Mit dem Ziel der Leistungsverbesserung, der Prävention, aber auch, um interessant und freudvoll zu leben.

Peter Sandor
Ärztlicher Direktor Neurologie und Mitglied der Unternehmensleitung
der RehaClinic-Gruppe, Titularprofessor an der Uni Zürich