Vielfalt managen und integrieren – eine Führungsaufgabe

Diversität ist komplex und mehr als ein Mix von Personen mit unterschiedlichem ethischem und sozio-ökonomischem Hintergrund. Vielfalt umfasst verschiedene Ebenen: die Person selber mit ihrer Persönlichkeit und Erfahrungen, ihre Gruppenzugehörigkeit sowie das Arbeitsumfeld, bei dem Betriebszugehörigkeit, Funktion und Einstufung relevant sind. Vielfalt ist sowohl eine Tatsache als auch eine Haltung. Diversity-Management beginnt damit, jede Person als individuell und komplex zu betrachten und nicht der Versuchung zu erliegen, zu stereotypisieren.

Diversität ist gut, wenn die Unternehmensführung mitspielt

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass durchmischte Gruppen unter gewissen Rahmenbedingungen innovativer sind und bessere Entscheidungen fällen als homogene Gruppen, weil sich Erfahrungen, Kompetenzen und Sichtweisen ergänzen und individuelle Stärken besser genutzt werden. Vielfalt ist unerlässlich, wenn politische Prozesse und Entscheidungen stark durchmischte Personengruppen betreffen. Es ist einfacher, die Anforderungen und Bedürfnisse einer heterogenen Kundenstruktur abzubilden, wenn Mitarbeiterteams die Vielfalt der Kunden spiegeln.

Vielfalt in der Gesellschaft kann man nur mit Vielfalt in Organisationen begegnen. Es ist klar, dass die Diversität in unserer Gesellschaft wächst und vielfältige Ansprüche an Organisationen und an die Führungsarbeit stellt. Führungsarbeit wird dadurch komplexer. Um von Diversität zu profitieren, braucht es den Willen der Führungskräfte, sich mit Diversität auseinanderzusetzen, sie wertzuschätzen und die Mitarbeitenden in die Mitverantwortung für das Gelingen der Gestaltungs- und Führungsprozesse zu nehmen.

Vielfalt als Vorteil erkennen …

Vielfalt als Vorteil zu erkennen, heisst zunächst, sich für unterschiedliche Perspektiven zu öffnen und geeignete Sensorien zu entwickeln. Denken und handeln Gruppen ähnlich, weil sie ähnliche mentale Modelle abgespeichert haben, ist die Gefahr gross, dass kollektive Arroganz gegenüber anderen Sichtweisen entsteht. Vielfalt ermöglichen bedeutet, transparente Rekrutierungs- und Beförderungsprozesse zu gestalten, damit Diversität Zugang in die Organisation hat und zwar auf allen Ebenen.

… und als kulturellen Prozess behandeln

Damit Vielfalt auch zur Meinungs- und Entscheidungsbildung genutzt werden kann, ist eine geeignete Kombination von Sprache und Kultur unabdingbar. Eine Führungskraft muss sich um eine Vielfalt der Meinungen bemühen. Sie muss ihr Umfeld darauf sensibilisieren, Vielfalt als Bereicherung zu erkennen, die die eigene Perspektive ergänzt. Kommunikation und Austausch in den Teams helfen, ein Gleichgewicht zwischen Heterogenität der Belegschaft und der Einheit der Organisation zu finden. Die Entwicklung einer gemeinsamen Sprache klärt unterschiedlich besetzte Begriffe und ist Grundlage für ein gemeinsames Verständnis.

Um effektiv zu sein, muss man Vielfalt in die langfristige Ausrichtung der Organisation integrieren. Wichtige Merkmale einer solchen Kultur sind Toleranz, Wertschätzung, Partizipation, Vertrauen und Lernen. Eine Kultur, die Vielfalt als Wert verankert, entsteht dann, wenn man die vorhandene Vielfalt beziehungsweise deren Wert sichtbar macht und die Rahmenbedingungen des Arbeitsumfelds miteinbezieht.

Eine Führungskraft erhöht die eigene Wirkung, wenn sie eigene Routinen hinterfragt und an den eigenen Einstellungen und Verhaltensmustern arbeitet. Führen in einer diversen Welt benötigt viel Eigenenergie und Reflexionsbereitschaft, um die Organisation auf den Weg zu bringen.

Jürg Eggenberger