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Über die Zauberformel des Erfolgs

«Jung, dynamisch, innovativ.» Wer hat noch nicht und wer will nochmal sein Unternehmen mit diesen Schlagworten anpreisen und sich auf dem Markt anbieten? Sie sind in guter Gesellschaft. In Firmenportraits, Stelleninseraten oder Bewerbungen findet sich dieser Slogan zuhauf. Wie eine Art Kampfesruf und Formel für den garantierten Erfolg.

Wie aber steht es tatächlich? Man ist so alt, wie man sich fühlt, heisst es. Also bleiben wir natürlich ewig jung. Dynamisch sind wir im Geiste sowieso, und Zweiflern an unserer physischen Dynamik zeigen wir am Marathon, am höchsten Berg oder am Wirtschaftsforum beim wilden Leben in Zelten, wo es langgeht. Sind wir aber auch innovativ, also (gemäss Duden) neuartig, fantasievoll, ideenreich, originell, schöpferisch? Die gebetsmühlenartige Beschwörung des Innovativen bei vielen Unternehmen suggeriert einen laufenden Output an tollen neuartigen und erfolgreichen Produkten. Echte «Killer-Applikationen» sind auf dem Markt trotzdem nicht die Regel. Innovativ sein ist offenbar weder ein Dauerzustand noch die logische Steigerung von jung und dynamisch. Innovation lässt sich nicht erzwingen. Vielmehr «überkommt» es uns in Form einer Eingebung. Irgendwann, plötzlich, unerwartet keimt in uns eine Idee auf, wie wir ein Problem angehen oder einen komplizierter Knoten lösen oder womit wir beim Kunden auf Begeisterung stossen könnten. Wir haben eine Inspiration. Das lateinische «inspiratio» bedeutet «Beseelung» oder «Einhauchen» im Sinne einer Eingebung. Erst nach diesem initialen «Geistesblitz» ist für dessen Umsetzung aktive und schöpferische Innovation gefragt. Bei Inspirationen befinden wir uns in einer eher passiven Rolle. Weshalb wir vielleicht empfänglicher sind, wenn wir das Dauer-Aussenden von Innovationsparolen ab und zu mal abstellen.

Copyright SRF/Oscar Alessio

Thomas Bucheli
Schweizer Meteorologe und Fernsehmoderator