Spass an der Prävention

85 Prozent der Arbeitnehmer lassen sich gern spielerisch zu Sport und Gesundheit motivieren.

Prof. Dr. med. Peter S. Sandor

Vier Stunden pro Nacht: Noch vor wenigen Jahren galt es unter Managern und Unternehmern als chic, von sich zu behaupten, kaum Schlaf zu brauchen. Mancher pflegte den Mythos, für Sport oder andere Aktivitäten ausserhalb der Wertschöpfungskette weder die Musse noch Bedarf zu haben. Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Prävention gehört heute in grossen wie in kleinen Unternehmen zu den Bereichen, für die man gerne Verantwortung übernimmt. Keine Dekade, nachdem der Anspruch auf eine gesunde Work-Life-Balance in Arbeitnehmerkreisen aufkam, wurde sie auch in den Chefetagen Teil der Unternehmenskultur.

Dahinter steckt viel mehr als modischer Zeitgeist oder der Wettstreit um Arbeitnehmer. Unfälle, krankheitsbedingte Abwesenheiten oder grosse Fluktuation der Stelleninhaber sind ungeliebte Kostenfaktoren, können aber mit geringem finanziellem Aufwand in Schach gehalten werden. Entsprechend gross ist inzwischen das Angebot an mehr oder weniger wirksamen Gesundheits- und Sportförderangeboten für Firmen, mit denen Versicherer und Krankenkassen einen Beitrag leisten wollen, um die Belegschaften zu einem gesunden Lebenswandel anzuhalten. Doch diese Aktionen haben allzu oft nur eine kurze Wirkungsdauer und erscheinen den Arbeitnehmenden als lästige Pflichtübung der Teppichetage. Gesundheit kann nicht nur ausnahmsweise zum Thema gemacht werden. Prävention und ein «selbstfürsorgerischer» Lebensstil müssen allzeit präsent sein, sichtbar vorgelebt und den Kolleginnen und Kollegen intuitiv vermittelt werden.

Nachhaltige Erfolge versprechen dagegen spielerische und freudvolle Ansätze als Bestandteil der Unternehmenskultur. Wenn Mitarbeiter zum Beispiel bei präventiven körperlichen Aktivitäten Spass haben oder sich in einem spielerischen Wettkampf messen. Eine kürzlich von der RehaClinic-Gruppe in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage mit 1036 Interviews zeigt, dass für 85 Prozent der Befragten Spass und Freude ein wichtiger Motivator sind, um präventive Massnahmen wie Bewegung durchzuführen.

Also: Ohne Spass kein Sport. Für den freudvollen, spielerischen Approach eignen sich übrigens auch Sensoren der Quantified-Self Bewegung. Sie werden in allen Grössen, Farben und Preisklassen angeboten, in Form von Armbändern oder als Apps im Smartphone. Schritt-, Ruhezeit-, Herzfrequenz- und sogar Schlafphasenanalyse erlauben eine spielerische, neue Erfahrung des eigenen Tagesablaufs. Warum nicht zum Beispiel eine, in der sich jede und jeder mit dem Chef messen kann?

Etwas Grosses und Sinnvolles wird erreicht, wenn es gelingt, präventive Verhaltensmuster in die Unternehmenskultur einzubetten und als Mentalitätsgrundsatz der Organisation zu leben. Dies bedingt, dass die Vorgesetzten selber mit dem guten Vorbild vorangehen. Stockwerke zählend Treppe steigen, mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen oder über sportliche Aktivitäten im Intranet bloggen – oder zumindest darüber sprechen.

Denn ein gesunder – und ausgeglichener – Chef ist ein besserer Chef.

Peter Sandor