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Gute Führung ist menschlich

Führen heisst, das Handeln von Mitarbeitenden auf das Erreichen eines Ziels auszurichten. Es gibt – viele davon wurden, wie könnte es anders sein, schon im SKO-Leader beschrieben und diskutiert – eine Vielzahl von Definitionen für den Begriff «Führung». Mein persönliches Credo in Bezug auf Führung basiert auf diesen Grundlagen:

Führung ist «erfunden». Als in grauer Vorzeit die ersten menschenähnlichen Wesen aufeinandertrafen, haben sie sich entweder bei der Begegnung getrennt oder dann wurde, allenfalls in wechselnder Funktion, geführt. Mit grösster Wahrscheinlichkeit instinktiv («aus dem Bauch») und situativ («vom aktuellen Umfeld getrieben»). Es gibt Tausende von Büchern und Filmen zum Thema.
Führen muss man wollen und können. Führungskräfte bekommen durch ihre Funktion Führungsverantwortung, die meisten da­von wollen sie (hoffentlich) auch übernehmen und erfolgreich erfüllen.
Erfolgreich führen bedeutet, selbst definierte, von einer vorgesetzten Stelle erhaltene oder aus einer Situation (Krise) entstandene Ziele nachhaltig zu erreichen und bei den an der Zielerreichung beteiligten Menschen eine minimale Zufriedenheit mit dem Weg zur Zielerreichung zu schaffen.

Führung ist lernbar
Wer gut führen will, muss darin ausgebildet werden und sich mit dem Thema intensiv befassen. Ob weiblich oder männlich, auf erster oder oberster Führungsstufe, ob im Privaten, in der Politik, in der Armee, im Sport, in der Schule oder, last, but not least, in der Wirtschaft – ohne bewusstes Lernen aus der Vergangenheit (Geschichte) und individuelles Umsetzen für die eigene Gegenwart kann ich mir gute Führung nicht vorstellen. Führung ist oft mühsam. An vielen Tagen möchte (und muss) eine Führungskraft eigene Aufgaben bearbeiten und kann nur einen Teil der Arbeitszeit ihrer wichtigsten Aufgabe widmen. Schwierige Mitarbeitende und kulturelle Differenzen kön­nen einer Führungskraft in unserer globalisierten Welt schnell die Freude an der Aufgabe nehmen. Gute, nachhaltig erworbene Füh­rungskompetenz und persönliche, geistige, charakterliche und körperliche Widerstandskraft (Resilienz) sind entscheidende Hilfen auf dem Weg zum Erfolg.

Menschen mögen
Wenn man mit Menschen gemeinsam Ziele gut erreichen will, hilft es, wenn man die bekannten «4M» von Adolf Ogi (über dessen Leis­tung als Bundesrat man ansonsten gut und gern verschiedener Meinung sein kann) kennt und befolgt: Man muss Menschen mögen! Oft kommt es einem allerdings vor, dass bestimmte Mitarbeitende alles tun, um sich bei ihrer Führungskraft unbeliebt zu machen.

Die Folgerungen:

1.Gute Führung ist zeitlos. Die Art der Ziele hat sich im Lauf der Zeit geändert, deren Erreichung mittels Führung durch eine Person oder ein Team (Co-Präsidium, Kommandant und Stab) ist geblieben.
2. Gute Führung ist geschlechtslos. Eine Frau wird in vielen Situationen anders auftreten als ein Mann – am Ende geht es um nichts anderes als um die gemeinsame Zielerreichung.
3. Gute Führung ist zutiefst menschlich. Natürlich sind alle technischen Hilfsmittel zu nutzen, deren Einsatz notwendig und sinnvoll ist. Zentral ist aber die Vermittlung von Sinn in Bezug auf die Zielerreichung – und das geht mündlich immer besser als schriftlich.
4. Gute Führung ist auch heute noch, vermutlich mehr denn je, absolut notwendig. Wenn wir nicht mehr führen und geführt werden wollen, wird es uns in der heutigen Form nicht mehr lange geben. In diesem Sinn wünsche ich allen Führungskräften die Kraft, ihre Aufgabe täglich erfolgreich zu erfüllen, den Mut, die nötigen Entscheide zu fällen, die Verantwortung zu übernehmen, und das Glück, das man auf dem Weg zur Zielerreichung braucht. »


Hans-Peter Brader

Geschäftsführer Lucridis Distribution AG und Inhaber der
Beratungsfirma Intervendis GmbH.