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Gegenüberstellung

Das Medizinal-Startup Cutiss aus Zürich und das Medical-Software-Unternehmen Mindmaze aus Lausanne über das Spannungsfeld von Regulierung und Kreativität.

Fabienna Hartmann-Fritsch (rechts) ist CTO und Claudia Sax Steffen Administrative Managerin der CUTISS AG mit Sitz in Zürich. Sie stellt personalisierte Hautsubstitute her, welche momentan in klinischen Studien getestet werden. Diese Hautsubstitute können Patienten helfen, die an Hautdefekten wie Verbrennungen oder Narbenkorrekturen leiden und chirurgisch behandelt werden müssen.

Tej Tadi ist der Gründer von MINDMAZE, einem Spinoff der ETH Lausanne aus dem Jahr 2012. Es entwickelt intuitive Mensch-Maschine-Schnittstellen für Patienten und Nutzer verschiedenster Fachgebiete. Das Unternehmen mit Sitz in Lausanne hat Büros in San Francisco, im UK, Frankreich und Rumänien. © 2016 Robert Huber

Steht Regulierung der Kreativität Ihres Unternehmens im Weg?

Tej Tadi, Mindmaze: Ja und nein. Das Gesundheits-Geschäft ist zwar reguliert, aber das sehr pragmatisch. Die Leitlinien der Regulierung einzuhalten, kann zwar die Entwicklung verlangsamen, das ist nicht von der Hand zu weisen. Aber das muss noch keineswegs die Kreativität beeinträchtigen. Wenn man sich in den Markt vertieft und einen klaren Überblick des Gesamtprozesses und der Ziele im Zusammenhang mit Sicherheit und Performance gewinnt, erkennt man den Sinn der Regulierung und versteht, dass Kreativität und Regulierung koexistieren.

Claudia Sax Steffen und Fabienne Hartmann-Fritsch, Cutiss: Wir sind im Bereich von klinischen Studien tätig, wo Regulierung und Kontrolle eine entscheidende Rolle spielen. Bis man in die Klinik kommt, kann man sehr vieles ausprobieren und kreative und innovative Ideen umzusetzen versuchen. Sobald es jedoch Richtung Anwendung am Menschen geht, ist Regulierung oft nicht nur ein Hemmnis, sondern sogar das Ende oder – bildlich gesprochen – der Tod einer kreativen Idee.

Wo liegt der grösste Konflikt, wo gibt es Kompromisse?

Mindmaze: Eine gänzlich neue Technologie auf den Markt zu bringen, ist kompliziert – vor allem auch wegen der Regulierung. Es verlangt Monitoring, Überwachung und klare Nachweise, um die Zulassung zu erhalten. Wenn man nicht aufpasst, wird ein fortschrittliches Produkt obsolet, noch bevor es Marktreife erreicht hat. Kompromisse werden möglich, wenn man Best Practices aus anderen Geschäftsbereichen in den Zulassungsvorgang impliziert.

Cutiss: Kompromisse können im Bereich der klinischen Forschung keine gemacht werden. Die Sicherheit für die Anwendung am Menschen kommt immer an erster Stelle. Damit eine brandneue und kreative Idee erfolgreich umgesetzt werden kann, muss sehr viel stimmen.

Kreativität braucht auch Steuerung: Wie sieht Ihr Ideenmanagement aus?

Mindmaze: Mit einer klaren Vision und einem grossartigen Team – was wir beides glücklicherweise haben – können wir innerhalb kritischer Zeit an Meilensteinen arbeiten, ohne die Kreativität zu beschneiden. Dazu muss man das Team ermächtigen, seine Stärken voll auszuspielen – und dafür sorgen, dass alle dabei auf das Ziel fokussieren.

Cutiss: Das Ideenmanagement ist in unserem Fall die Grundlagenforschung, die durch fortlaufendes Experimentieren neue und oft überraschende Erkenntnisse generiert. Diese wiederum verlangen geradezu, dass man neue Ansätze ausprobiert, abklärt, rumtüftelt und versucht, Ideen weiterzuentwickeln.