Gegenüberstellung

Wo sehen Sie die Vor- und Nachteile des mobilen Arbeitsplatzes?

Markus Bechtiger: Mitarbeitende, die mehr Flexibilität wünschen, erhalten dank eines mobilen Arbeitsplatzes mehr Freiheit in der Gestaltung ihrer Arbeitsform. Zurich Schweiz erhöht damit die individuelle Produktivität und hilft den Mitarbeitenden, eine ausgewogene Lebensbalance zu erhalten. Uns ist es wichtig, dass Mitarbeitende über Instrumente verfügen, um dem Körper und dem Geist genügend Erholung zu gönnen. Auch das Unternehmen profitiert: durch eine bessere Abdeckung von Kundenbedürfnissen, eine wachsende Kultur von Eigenverantwortung und Vertrauen. Büropräsenz ist weiterhin wichtig für den Austausch, die Zusammenarbeit und die Pflege von Kontakten und Netzwerken. Wegfallen muss die Kultur, dass nur die physische Präsenz im Büro zählt. Worauf es ankommt, ist die Leistung.

Kathrin Amacker: Die Stärke liegt in der Kombination. Für mich ist das persönliche Treffen insbesondere wichtig für den kreativen Austausch und für Reflexionen. Mobiles Arbeiten hingegen ermöglicht mir, ein intensives Arbeitspensum mit meinem Privatleben zu vereinbaren. Und: Wer ausserhalb der Hauptverkehrszeiten pendelt, hat unterwegs im Zug mehr Platz, Ruhe und kann den Arbeitsweg produktiver nutzen. So leistet jeder einen Beitrag, den Druck für Investitionen in den ÖV zu mindern. Das bedeutet mehr Komfort bei tieferen Kosten. Studien belegen ein grosses Potenzial. Deshalb engagiert sich die SBB bei der Work Smart Initiative .

Wie sieht die Arbeitsgestaltung in Ihrem Unternehmen aus?

Markus Bechtiger: Zurich ermöglicht es Mitarbeitenden, die Arbeitsweise zu finden, die auf beruflicher und persönlicher Ebene am besten zu ihren Bedürfnissen und denen des Unternehmens passt. «Es zählt, was man erreicht» ist unser Motto. Wir verankern unsere Flexwork-Kultur ständig weiter mit laufenden Aktivitäten (beispielsweise Teilzeit auf Probe oder Ferienkauf) und messen die Zielerreichung durch Kennzahlen und Umfragen.

Kathrin Amacker: Bei der SBB arbeiten 33’000 Menschen in ganz unterschiedlichen Berufen. In vielen Fällen ist eine zeitliche Flexibilität möglich. Die SBB fördert dies konsequent: Alle Mitarbeitenden sind mit mobilen Endgeräten ausgerüstet. Zudem bilden wir unsere Kader in smarter, agiler Führung weiter. Mittlerweile planen wir bei den meisten Meetings eine Teilnahmemöglichkeit per Skype. Meetings mit physischer Präsenz werden auf den Fahrplan abgestimmt. Besprechungen mit mir können immer wahlweise physisch oder digital sein.

Wie wird Smart Working in Zukunft gestaltet sein?

Markus Bechtiger: Flexibilität wird noch wichtiger. Digitalisierung schafft dafür immer bessere Voraussetzungen. Kontakt, Austausch und Zusammenarbeit werden in virtuellen Räumen stattfinden, ohne auf die Emotionalität und das Gefühl des direkten Kontakts verzichten zu müssen. Der Zusammenhalt der Belegschaft wird stärker durch geteilte Werte als durch gemeinsame Präsenz sichergestellt. Der Fokus wird sich in Zukunft von der zeitlichen und örtlichen verstärkt hin zur strukturellen und vertraglichen Dimension verschieben.

Kathrin Amacker: Die technologischen Möglichkeiten, ortsunabhängig kommunizieren und arbeiten zu können, prägen die Arbeitswelt immer stärker. Eine junge Generation wird ganz selbstverständlich flexibles Arbeiten leben und auch eine entsprechende Führungskultur erwarten. Die zeitliche Flexibilität, das Arbeiten an unterschiedlichen Orten und das Meiden überfüllter Züge und verstopfter Strassen werden zur Normalität. Dass sich die Schweiz immer mehr zu einem Wissens- und Innovationsstandort wandelt, unterstützt diese Entwicklungen.

Markus Bechtiger | Leiter Human Resources, Zurich Schweiz

Dr. Kathrin Amacker | Leiterin Kommunikation, Mitglied Konzernleitung SBB AG

Markus Bechtiger und Kathrin Amacker