Digitalisierung «verschlafen»? Tradition gerettet!

Digitalisierung. Was für ein Schlagwort. Wirtschaftsforen, Magazine und Leitsätze grosser Konzerne verkünden: ohne Digitalisierung keine Zukunft. Das mag auf viele Branchen zutreffen. Digitalisierung braucht es. Sie ist eine wichtige Unterstützung – aber auch eine Herausforderung.

Für mein Unternehmen aber hätte sie das Aus bedeutet. Ich bin meinen Vorfahren dankbar, dass sie die Digitalisierung «verschlafen» haben. Unsere Brienzer Holzkühe sind Handarbeit. Vom Aussägen über das Schleifen bis zum Malen – alles wird gemacht wie schon 1938. Auch wir kommunizieren über E-Mail und wickeln Bestellungen digital ab. Hätten wir jedoch CNC-Maschinen im Einsatz, sähe jedes Tier exakt aus wie das andere. Kein Charakter, keine Eigenheit. Wie langweilig!

Auch musikalisch wurde mir kürzlich, vor meinem Konzert im Hallenstadion, wieder einmal bewusst, wie unwohl mir wird, wenn ich mich der Technik ausgeliefert fühle. Ein «normales» Konzert ist Handwerk: Meine Band spielt und ich singe – bei Stromausfall einfach etwas

leiser. Eine programmierte Lichtshow und Video-Einspieler auf riesigen LED-Leinwänden hingegen machen mir Angst. Was, wenn die Programmierung gelöscht wird? Wenn ein Clip nicht abgespielt werden kann? Oder noch schlimmer: Stromausfall!

Vor einigen Wochen hatten wir in unserer Gemeinde genau das: Stromausfall. Wissen Sie, was wir gemacht haben? Unsere Arbeit. Wir haben geschnitzt und gemalt. Das Beste: Unseren Endkunden, den Kindern der Generation 2.0, macht ein Stromausfall beim Spielen mit unseren Produkten genauso wenig aus wie uns. »

Marc A. Trauffer
Inhaber und Geschäftsführer der
Holzspielwarenfabrik Trauffer in Brienz
und erfolgreicher Mundartmusiker.