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Die ganze Wahrheit

Im Rahmen unserer Arbeit als «Amt für die ganze Wahrheit» haben wir in unterschiedlichen Berufen nach der Rolle von Wahrheit, Lüge und Vertrauen gefragt. Von einem Manager kam die rhetorische Gegenfrage: «Muss man der Wirtschaft überhaupt vertrauen?» Es könne unmöglich sein, dass eine VR-Sitzung «auf dem Marktplatz abgehalten» werde, präzisiert er.

Wenn es um Vertrauen, Transparenz und Wahrheit geht, gelten in unterschiedlichen Berufszweigen unterschiedliche Massstäbe – was sich auch in der Einschätzung der Bevölkerung widerspiegelt: In die Managerinnen und Manager hat sie besonders wenig Vertrauen. Unsere repräsentative Befragung zeigt sie auf dem letzten Platz – knapp hinter Politikern und Journalistinnen. Nur: Während die Bevölkerung in Letztere unbedingt mehr Vertrauen haben möchte, scheint sie sich am fehlenden Vertrauen in das Management nicht zu stören.

Und trotzdem sind Managerinnen und Manager gut beraten, wenn sie nicht schamlos lügen, Zahlen beschönigen oder die Wahrheit verdrehen. Bei den gesammelten Lügenbeispielen aus Politik, Sport, Wirtschaft und Privatleben zeigen die Besucherinnen und Besucher in unserem «Amt» bei den Wirtschaftslügen jedenfalls besonders wenig Toleranz. Sie sind sich einig: das «geht gar nicht».

Ansonsten gibt unser «Amt für die ganze Wahrheit» keine Tipps, es zeigt die Wahrheit und die Lüge vielmehr in schillerndem und ambivalentem Licht und es lädt dazu ein, über das komplizierte Verhältnis von Lüge und Wahrheit nachzudenken. Und das macht sogar Spass! Machen Sie im neuen Jahr den Test – unser spezielles «Amt» eignet sich bestens für den nächsten Familien- oder Teamausflug. Ganz ehrlich!


Sibylle Lichtensteiger | Text
Sibylle Lichtensteiger ist Leiterin des Stapferhauses, der Kulturinstitution, dieam Bahnhof Lenzburg steht und sich im Rahmen der Ausstellung «FAKE» in das«Amt für die ganze Wahrheit» verwandelthat. Die Ausstellung läuft noch bis Ende Juni 2020.