Der Machtfaktor bleibt

Geschätzte Leserinnen und Leser

Anders als im angelsächsischen Raum, wo das Wort «Power» sowohl «Macht» als auch «Kraft» bedeutet, verwenden wir Deutschen das Wort «Macht» eher kritisch. Dabei wird sie erst schädlich, wenn sie skrupellos zum eigenen Vorteil eingesetzt wird: Macht ist unerlässlich, um zu gestalten.

Und sie ist vielfältig: Die Macht der Position beruht auf der formalen Autorität in Institutionen. Sie hat sich, wie unser Schwerpunkt in dieser Ausgabe zeigt, verschoben: hin etwa zur Macht des Charismas, der Informationsverwendung und der Expertise. Gemäss einer Umfrage halten 89 Prozent der Befragten die Macht der Beziehungen (in formalen und informellen Netzen) für die wichtigste in den kommenden fünf Jahren, gefolgt von der Macht der Information (57 Prozent) und der Belohnungsmacht (51 Prozent). Im Zeitalter der digitalen Netzwerke werden sich Führungskräfte umstellen müssen: Ein kompetenter Umgang mit Wertschätzung, Information und Vernetzung wird wichtiger. Was heisst das für Institutionen, in denen Macht über formale Autoritäten ausgeübt wird und die in der Gesellschaft an Einfluss verlieren? Korpskommandant Baumgartner gibt im Interview einen Einblick, wie sich die Armee ändert und ändern muss.

Studien zeigen, dass ein stabiles System, in dem sich Führungskräfte sicher fühlen, aber auch verantwortlich sind, einen günstigen Rahmen für den Teamerfolg bietet. Diese Stabilität nimmt mit der Tendenz zur Demokratisierung der Führung ab. Die Macht als unausweichliches Element menschlichen Handelns und menschlicher Beziehungen aber bleibt. Sie wird dann positiv zum Nutzen anderer eingesetzt, wenn die moralische Identität und das moralische Bewusstsein ausgeprägt sind.

Ich lade Sie ein, mehr über Machtfragen zu erfahren.

Jürg Eggenberger
Geschäftsleiter SKO