,

Das letzte Wort

Wie kommt ein «Giel» aus Thun im Berner Oberland nach Jackson, Mississippi, um dort ein Album einzuspielen? Mit dem Flugzeug, geht der Witz. Aber im Ernst: Die Frage ist mir öfter gestellt worden, als ich mich erinnern kann. Und sie war immer so gemeint: Was hat einer mit dem Namen Philipp Fankhauser, weisser Haut und Herkunft im Heidiland Schweiz im Blues- und Soul-Geschäft verloren? Ist es nicht ein Regelbruch, wenn ein weisser Europäer in die künstlerische Domäne der «African Americans», ja in deren Geschichte eindringt? Hat nicht Elvis schon den Schwarzen den Rock’n’Roll gestohlen und zu einem «weissen» Genre gemacht?

Bezeichnenderweise ist mir diese Frage fast ausschliesslich von Weissen (Nichtmusikern) gestellt worden. Alle andern – und namentlich grosse Künstlerinnen wie Margie Evans und Legenden wie Johnny Copeland oder Dennis Walker, mit denen ich arbeiten durfte – haben mich ohne Zögern für das genommen, was ich bin: den musikbegeisterten Philipp Fankhauser, der sich verliebt hat in den souligen Sound des US-Südens. Und dabei war mir immer klar: Blues und Soul sind ein afroamerikanisches Kulturerbe – und ich kann oder darf bestenfalls daran etwas teilhaben.

Viele der grossen, erfolgreichen Künstler haben sich übrigens nie um Regeln geschert oder gar um das, was «normal» ist, sondern sich allenfalls dagegen aufgelehnt. Kunst kennt nicht nur keine Regulierung, sie ist oftmals geradezu ihr Kontrapunkt: Sie braucht Regeln, um sie zu brechen. Und daran wächst sie.

Philipp Fankhauser