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Eine Erschütterung der Macht

Wie erlangt man Macht und Einfluss? Wo fängt Macht an, missbräuchlich zu werden? Und welche Macht brauchen Führungskräfte in einer digitalen Wissenswelt? Mit diesen Fragen befasste sich der 43. LeadercCircle der SKO vom Juni in Zürich.

SKO-­Geschäftsleiter Jürg Eggenberger begrüsste mit einem Videostatement von Prof. Dr. Peter Kruse aus dem Jahr 2013: Der vertrat schon damals die These, Führung sei angegriffen: «Sie erlebt – um mit den Worten des Imperators in ‹Star Wars› zu reden – eine starke Erschütterung der Macht.» Die Rahmenbe­dingungen für Führung seien gesellschaftlich gewaltig geändert worden.

Das erlebte Hermann Arnold von Haufe­umantis nach Abgabe seiner Funktion als CEO: Als Ex-­Chef musste er seine neue Rolle im Kollegenkreis finden. Und die Energie in Gesprächen fokussierte sich nicht mehr auf ihn, sondern auf seinen Nachfolger. Er musste aufpassen, nicht alles besser wissen zu wollen.

Anhand von Beispielen aus der Politik zeigte Arnold am LeaderCircle in Zürich, dass temporäre Führung durchaus ihr Gutes hat, vor allem auch, wenn es darum geht, Macht zu teilen und bescheiden zu bleiben. Mit Führungsarbeit als Rolle dagegen werde ein Rücktritt von einer Führungsposition zum normalen Vorgang, ohne Gesichtsverlust.

Moderiert von Handelszeitungs-­Chefredaktor Stefan Barmettler, diskutierten die Gäste die Fragen zur Macht. Marlis Jacot­-Guillarmod wollte einst ein eige­nes Unternehmen in der Heizungsbranche gründen. Stattdessen hat sie den Militärdienst besucht und da­nach bei der Armee die Karriereleiter erklommen. Sie stellte richtig, dass Mitarbeitende auch in der Armee dadurch motiviert werden, dass man ihnen den Sinn einer Aufgabe erklärt, ohne Macht auszuspielen.

Für Unternehmerin, Investorin und Philanthropin Carolina Müller-­Möhl bedeutet Macht, dass man Wir­kung hat und man mit Wirkung etwas umsetzen kann. Es falle auf, dass in den Medien «Macht» immer negativ konnotiert sei, obwohl es positive Beispiele gebe.

Nicola Forster, foraus­-Gründer und Co­-Präsident GLP Zürich, kultiviert seinen «Crazyness»­Faktor nur noch mit seiner Frisur, denn innerlich sei er «bereits alt und abgeklärt». Als junger Politiker, sagt er, müsse man sich mit Qualität die Legitimität erarbeiten, handeln zu können – vor allem in den üblichen Gremien mit 60+­Vertretern, die sich ihrer eigenen Macht und Wichtigkeit bewusst seien.

Einig waren sich die Gäste darüber, dass Social Media neue Formen der Macht über Netzwerkstrukturen ermöglichten, die die Energie kleinerer Gruppen bündeln, um dann eine grosse Aufmerksamkeit generieren zu können. Ein Gast im Publikum bemerkte dazu, dass heutzutage jeder mit seinem Laptop Macht ausüben kann – und dass diese Macht via Social Media kritisch beobachtet werden müsse.

Die Westschweizer Ausgabe des LeaderCircle fand in Lausanne statt.

Marlis Jacot­Guillarmod, Schweizer Armee; Hermann Arnold, Haufe­umantis; Carolina Müller­Möhl, Müller­Möhl Foundation; Stefan Barmettler, Chefredaktor Handelszeitung; Nicola Forster, foraus

Ausgabe 3/2019