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«Slipping through my fingers»

Seit mehr als 20 Jahren sind neue Arbeitswelten meine Passion. Zu meinen ersten Projekten zählte 1998 die Einrichtung von Corporate Workplaces für Sun Microsystems. Das damals visionäre Workplace-Verständnis von Sun «anywhere, anytime, on any device» ist heute aktueller denn je.

Begonnen hat die Veränderung in den 70er-Jahren mit dem Aufkommen der Telearbeit. Durch neue Technologien wurde die Verwaltungsarbeit «transportierbar», ortsunabhängiges Arbeiten wurde möglich. Präsenzorientierte Führung wurde dadurch zum ersten Mal herausgefordert.

Neben Büro und Homeoffice kamen vor gut zehn Jahren die sogenannten Third Places auf. Ich bin überzeugt, dass in 20 Jahren die strikte Trennung zwischen Arbeits- und Wohnort verschwinden wird. Arbeit findet schon heute überall statt, denn für die Wissensgesellschaft zählt Wissen und nicht der Ort, wo Arbeit geleistet wird. Für die kommenden Generationen ist Leistung nicht mit einem Ort verbunden. Festangestellte werden zu Freischaffenden. Führungskräfte müssen zukünftig ortsunabhängiges Führen erlernen und die Mitarbeitenden inhaltlich begeistern.

Der gesellschaftliche Wandel betrifft aber nicht nur die «jungen Wilden», sondern auch mittlere und grosse Unternehmen. Flexible Arbeitsformen erhöhen die Motivation der Mitarbeitenden, steigern die Zufriedenheit und damit auch die Produktivität. Das ortsunabhängige Arbeiten bringt mehr Lebensqualität und anstelle von regelmässigem Pendeln bleibt mehr Zeit für sich, für Freunde und Familie. Als Vorstandsmitglied der VillageOffice Genossenschaft setze ich mich dafür ein, diesen gesellschaftlich wertvollen Wandel zu unterstützen.

Coworking hat nicht nur in Städten, sondern auch in suburbanem Kontext und Dörfern Potenzial, «work where you live» ist das Credo. In Zukunft wird nicht ausschliesslich relevant sein, wo der Arbeitgeber seinen Bürostandort hat und ob ich deswegen diese Stelle annehmen kann oder nicht.

Wenn sich der Arbeitsort verändert, verändern sich auch die Ansprüche an die Führung. Führungskräfte müssen sich von präsenzorientierter Führung loslösen. Im Fokus stehen Vertrauen und die Übergabe von Verantwortung an ihre Mitarbeitenden. Ich bin überzeugt, dass Führungskräfte in Zukunft «Engagement Manager» werden: Lehren und lernen, «sich selber zu führen», wird immer wichtiger. Wir müssen die Leute begeistern, wenn wir sie gewinnen wollen, mit uns zu arbeiten.

Niklaus Arn
Geschäftsführer von Drees&Sommer Schweiz und Verwaltungsrat von VillageOffice. Er ist verheiratet, Vater von vier Kindern und wohnt in Windisch.

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Was bedeutet für Sie die ideale Work-Life-Balance?

Martina Zölch, Professorin an der Fachhochschule Nordwestschweiz

Sich durch die Küchen der Welt kochen und das Essen mit Freunden geniessen. Auf Reisen in ferne Länder gehen, um das Zuhause aus einem neuen Blickwinkel zu sehen. Mit Literatur, Musik und Kunst vom Alltag abschalten. Beim Wandern und Schwimmen wieder Energie auftanken.

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Diana Pasquariello Schmid und Angie Eckenstein-Haffer, CAP Rechtsschutzversicherung

Arbeit und Privatleben verfliessen und bilden eine Einheit; mal überwiegt das eine, dann das andere. Ideal ist das Zusammenspiel, wenn wir aus dem einen Kraft fürs andere schöpfen können. Das erreichen wir, indem wir uns voll auf unsere aktuelle Funktion konzentrieren, Positives mitnehmen und negative Erlebnisse in der jeweils anderen Sphäre zurücklassen.

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Pierre-Luc Marilley, Swisscom

Arbeit ist zentral in meinem Alltag. Eine Balance zu schaffen, bedeutet für mich, Business und Privates unter einen Hut bringen zu können. Beispielsweise, indem ich eine Webkonferenz durchführe, statt für einen stündigen Austausch quer durch die Schweiz reisen zu müssen. So bin ich trotz beruflichem Engagement rechtzeitig zum Fondue fribourgeoise bei meiner Familie.

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Just for fun!

Als ich mich auf meine letzte Tour zu «Made in Hellwitzia» vorbereitet habe, war ich mit einem für mich neuen Phänomen konfrontiert: Facebook!

Zwar war ich auf den Social Media bereits aktiv, jedoch hatte ich mich noch nie so richtig damit auseinander gesetzt. Also habe ich mir einen guten Freund geschnappt und mich mit ihm hingesetzt, um mir die Kniffe der digitalen Kommunikation erklären zu lassen. Geduld war gefragt – und mein Bekannter hatte nachher ein paar graue Haare mehr auf dem Kopf. Als Comedian bin ich es gewohnt, Menschen zu unterhalten, auf der Bühne und im Rampenlicht zu stehen. Seit einigen Jahren geht meine Präsenz aber noch viel weiter: Während früher auf einer rudimentären Website gerade mal die Tourdaten und vielleicht eine Biografie abgebildet waren, gehören heute verschiedene Social-Media-Profile dazu. Fans wollen auch im Netz Spass haben. Dennoch muss ich mir hier genau überlegen, was ich poste, denn das Internet vergisst nie. Was aber manchmal auch seine Vorteile hat: Nach 37 Jahren bringe ich mit «Just for fun!» 2017 mein erstes Best-of-Programm auf die Bühne. Ich habe die Vorbereitungen auf dieses Programm auch genutzt, um auf mein langjähriges Bühnenschaffen zurückzuschauen. Und gesucht habe ich: nach Aufzeichnungen von alten Nummern, Musik aus vergangenen Programmen und manchmal auch nach dem Sinn des damals Wiedergegebenen – mit YouTube kein Problem. Irgendwer hat irgendwann irgendwo sicher etwas aufgezeichnet und ins World Wide Web gestellt.

So sehr ich die Chancen der sozialen Medien schätze und inzwischen auch zu nutzen weiss, so bin ich doch ein Kind der Analogie: Auf der Bühne zu stehen und mein Publikum «live» zu spüren, mit ihm zu interagieren, ist für mich viel mehr wert, als jedes Like auf Facebook.

Marco Rima
Schweizer Schauspieler, Kabarettist und Autor. Ab 2. März 2017 ist er mit seinem neuen Programm auf Schweizer Tournee.

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Gegenüberstellung

01. Was sind Eigenschaften, die ein moderner Leader erlernen muss?

Stephan Koch: «Ein motiviertes, selbstständiges Team ist der Schlüssel zum Erfolg. Dafür muss der heutige Chef einiges tun, und das, indem er die richtigen Leute im richtigen Mix mit der entsprechenden Kompetenz und Verantwortung ausstattet. Der moderne Leader sollte zum bewussten Hinhörer werden, aktiv nachfragen und einen offenen Spielraum für andere Meinungen zulassen. Er oder sie soll vor allem in einer unterstützenden Funktion tätig sein und im Bedarfsfall mit Rat und Tat zur Seite stehen. In der heutigen Informations- und Aufgabenflut ist der Leader ein Eckpfeiler, der entscheiden kann, die strategischen Akzente und die Prioritäten für sich und sein Team zu setzen vermag.

Sandra Adlesgruber: «Der moderne Leader reagiert schnell auf wechselnde Bedingungen und neue Anforderungen. Er erkennt Gelegenheiten für sein Unternehmen und springt als Erster auf den Zug auf, noch bevor andere überhaupt an eine Fahrt gedacht haben. Agilität ist kein Fremdwort, sondern muss zugunsten des Kunden/des Projekts/des Erfolgs gelebt werden – und zwar vom ganzen Team, das der moderne Leader zu motivieren weiss. Autoritäre Führung und strenge Hierarchie sind die Killer Nummer eins von Fantasie, Kreativität und neuen Wegen.»

02. Und welche muss er vergessen?

Stephan Koch: «Patriarchisches Denken und Handeln ist passé. Denn von der Arroganz und der Profitgier wird man früher oder später eingeholt.»

Sandra Adlesgruber: «Antrainierte starre Vorgehensweisen darf man getrost über Bord werfen, aber ohne zu radikale Änderungen an der Grundstruktur vorzunehmen. Die Unternehmen verabschieden sich am besten auch von systemtreuen Klonkriegern. Wer Erfolg haben will, muss auf kreative, individuelle Teammitglieder setzen, die auch die Schwächen des Unternehmens erkennen und offen ansprechen. Heterogene Zusammensetzung von Kompetenzen und Fähigkeiten lautet die Zauberformel.»

03. Wie hat die Digitalisierung die Führungskultur in Ihrem Unternehmen verändert?

Stephan Koch: «Die Digitalisierung hat innovative Instrumente hervorgebracht: auf Blick die Arbeitsstundenübersicht, auf Klick die entscheidenden KPIs und auf Sicht die zu erwartenden Umsatzzahlen. Die Digitalisierung kann und sollte unterstützend herbeigezogen werden, doch darf sie die eigentlichen Aufgaben eines Leaders nicht ersetzen.»

Sandra Adlesgruber: «Alte Strukturen mussten auch bei uns losgelassen werden, denn ein strenges Korsett ist Gift für die Agilität. In der Führungsetage sind mittlerweile erste Digital Natives angekommen und die Führungskultur hat sich nicht zuletzt auch deswegen weg vom teils Patriarchalischen und Autoritären zu einer offeneren entwickelt.»

 

Stephan Koch | Key Account Manager, Christinger Partner AG, SKO-Firmenpartner

Sandra Adlesgruber | Leiterin Marketing, Vertrieb & Customer Online Campaign, Neue Mediengesellschaft Zürich AG, SKO-Firmenpartner

 

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Philipp Sauber

Geschäftsführer und Partner | Plan.Net Suisse AG


Die zündende Idee

Ich weiss, wie man Inputs streut, damit sich im Team ein Ideenfeuerwerk entzündet. So gesehen bin ich eigentlich der, der die Zündschnüre auslegt.

Blick in die Zukunft

Für Eltern gibt es wohl kaum etwas Aufregenderes, als die Kinder aufwachsen zu sehen. Besonders gespannt bin ich darauf, wie sich meine Kinder entwickelt haben werden, wenn sie in meinem Alter sind.

Die Überzeugung

Mein Herz schlägt natürlich für meine Familie und dafür, dass es allen gut geht, für die ich verantwortlich bin.

Das Produkt

1991 war’s die Computersprache Assembler, dann C++. Heute überlasse ich die digitale Kommunikation meinen Profis.

Das Ziel

Theoretisch jede Firma der Schweiz, denn sie alle sind potenzielle Kunden. Das macht meinen Beruf so unglaublich spannend.

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Bei Loeb nehmen wir es persönlich

Digital versus analog. Ich glaube, es geht bei dieser Frage nicht um Entweder-oder, sondern vielmehr darum, beide Kanäle optimal miteinander zu verbinden. Gerade aus unserer Branche ist die Digitalisierung nicht mehr wegzudenken und bestimmt heute den Alltag der Konsumentinnen und Konsumenten. Der Onlinekauf wächst weltweit jährlich und wird weiter Umsatzanteile dazugewinnen. Ich bin überzeugt, dass der stationäre Handel jedoch auch in Zukunft seine Berechtigung hat. Was dadurch bestätigt wird, dass reine Onlineanbieter immer mehr stationäre Geschäfte eröffnen.

Oder wollen wir wirklich «tote» Innenstädte ohne Verkaufsgeschäfte und Menschen, die durch die Gassen flanieren? Leider ähneln sich die Metropolen und Kleinstädte dieser Welt immer mehr. Überall begegnen einem die gleichen Ladenketten. Deshalb glaube ich ganz fest an Konzepte mit eigener Identität und Persönlichkeit. So praktisch und bequem online einkaufen von Zuhause aus auch ist, das Bedürfnis, unter Menschen zu gehen und sich über alle Sinne inspirieren zu lassen, ist bei uns allen vorhanden. Darauf wollen wir bei Loeb in Zukunft verstärkt setzen, indem wir gesellschaftliche Treffpunkte schaffen und damit emotionale Erlebnisse generieren. Da Dienstleistungen für Kunden an Wichtigkeit gewinnen, werden wir in Zukunft unsere Onlineplattform weiterentwickeln. Die Händler, die es in Zukunft verstehen, eine Brücke zwischen dem stationären und dem Onlinehandel zu schlagen, werden langfristig Erfolg haben. Ich habe von den Sinnen gesprochen, die haptische Wahrnehmung steht dabei für mich im Vordergrund. Das Material eines Kleidungsstückes mit den Händen erfühlen – ein Vorteil, den kein Onlinehandel beim ersten Kundenkontakt bieten kann. Ein persönliches Beratungsgespräch ist entscheidend, die freundliche und kompetente Verkaufsberaterin macht den Unterschied. Wir wollen unseren Servicestandard ständig verbessern. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besuchen deshalb regelmässig interne Weiterbildungen. Sie lernen, unseren Kunden ein rundum entspanntes Einkaufserlebnis zu bieten.

Meine Vorfahren sind mir dabei ein grosses Vorbild. Immer wieder haben sie mit innovativen Ideen das Unternehmen weitergebracht und widrige Zeiten erfolgreich überwunden. Nun sind wir als Team gefragt – wir müssen Loeb in die digitale Zukunft führen. Dieser Aufgabe stellen wir uns mit dem Ziel, das persönlichste Omnichannel-Warenhaus der Schweiz zu sein!

Nicole Loeb (49) ist Delegierte des
Verwaltungsrates der Loeb Holding AG
sowie Verwaltungsratspräsidentin
der Loeb AG.

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Neues Jahr, neuer Leader

Geschätzte Leserinnen und Leser

Endlich ist es so weit: Sie halten unseren neuen LEADER in den Händen – unser komplett überarbeitetes Verbandsmagazin, auf das wir ehrlicherweise mächtig stolz sind. Vergangenes Jahr sind wir an den Punkt gelangt, wo wir uns eingestehen mussten, dass der SKO-LEADER, wie Sie ihn bis anhin kannten, unserem Anspruch nicht mehr gerecht wurde. Denn als zukunftsorientierter Verband für Führungskräfte nehmen wir eine Vorreiterrolle ein. Aus diesem Grund haben wir den SKO-LEADER vergangenes Jahr einem kompletten Redesign unterzogen: Gestalterisch und auch inhaltlich blieb kein Stein auf dem anderen. Im Zeitalter der Digitalisierung setzen wir auf eine Kombination von E-Paper und Print-Ausgabe. Neu wird es für die Deutschschweiz mit vier Magazinen pro Jahr zwar weniger Ausgaben geben, diese werden dafür umfangreicher. Alle vier werden als eLEADER auf unserer neuen, Mobile-optimierten Plattform erscheinen und zwei davon werden zusätzlich gedruckt. Analog dazu gibt es nun endlich auch ein eigenes Magazin für die Romandie mit massgeschneiderten Inhalten.

Das journalistische Niveau bleibt gewohnt hoch: Das Jahr 2017 wird gänzlich im Zeichen des hochaktuellen und interessanten Spannungsfeldes «digital vs. analog» stehen; die vorliegende Ausgabe widmet sich den Anforderungen an den zeitgemässen Leader. Wir hoffen, Ihnen neue Einsichten und Blickwinkel sowie ein Stück weit auch Inspiration über den Alltagstrott hinaus zu liefern. Am besten machen Sie sich gleich selbst ein Bild, denn der neue LEADER spricht für sich. Ich wünsche Ihnen also beste Lektüre und viel Freude mit dem Magazin!

Jürg Eggenberger
Geschäftsleiter SKO