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Leadership ist hier Überlebensgarantie

Ein Bergführer redet wenig. Er schreibt noch weniger, er geht einfach voran …

Als Sohn eines Bauern, als Jüngster einer Familie mit vier Kindern in einem kleinen Wal­liser Dorf stamme ich nicht aus einer klassischen Bergführer­dynastie. Schon früh genoss ich es, zu klettern, in den Bergen  zu wandern, Ski zu fahren, ummeine Abenteuer zu erleben und die Freiheit zu geniessen. Bald wurde mir klar, dass ich es liebte, die Emotionen, die ich erlebte, mit anderen zu teilen: Ich wollte Hochgebirgsführer werden.

Wie kommt es aber, dass mich heute bekannte Anwälte, re­nommierte Ärzte, Bankiers, wohl­habende Menschen anrufen, damit ich sie in die Berge bringe? Warum wollen sie, dass ich voran­gehe – warum vertrauen sie mir?

Ich bin kein charismatischer und renommierter Bergsteiger. Eher demütig und von Natur aus zurück­ gezogen, bin ich auch kein grosser (An­-)Führer. Ich denke vielmehr, dass Führung in meinem Beruf kein Selbstzweck ist, sondern eine Überlebensgarantie für meinen Klienten und mich selbst.

Wie artikuliert sich das im Alltag? Ich finde die richtige Zielsetzung. Ich plane die Route bis ins letzte Detail, um Probleme zu erkennen. Ich gebe den richtigen Rhythmus vor. Ich nehme immer den sichersten Weg, gebe klare An­weisungen, bin immer auf  der Hut, um die Gefahr zu erkennen – und vor allem weiss ich, wann es Zeit ist umzukehren, um leben­dig nach unten zu kommen!

Ein echter Führer eilt nicht voraus, ohne sich um das zu kümmern, was hinter ihm passiert.  Nein! Er stellt seine Fähigkeiten in den Dienst anderer. Er begibt sich mit Menschen in eine Seilschaft, die nicht über seine Fähigkeiten verfügen, um ihnen zu helfen, den Traum vom Aufstieg zu leben.

Einfach gesagt ist ein Bergführer ein Leader, weil er führt.
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Samuel Schupbach | Text
Der Sekretär des Walliser Bergführer­ verbandes ist selbst ein leidenschaftlicher Hochgebirgsführer. Man findet ihn auf www.mountainplanet.ch

Ausgabe 3/2019

Dominic Lüthi

Blick in die Zukunft
Mit unterschiedlichen Meinungen umzugehen, braucht Courage, aber den Mutigen gehört die Welt: Professionelle Arbeit im Verwaltungsrat, Diversität, Digitalisierung, Ethik, Unabhängigkeit und Corporate Governance werden in kleineren Unternehmen an Bedeutung gewinnen.

Die zündende Idee
Wir helfen Firmen und Institutionen mit digitalen Mitteln, Menschen mit ausgewiesenen Fähigkeiten für Funktionen wie den Verwaltungsrat, den Beirat oder den Stiftungsrat zu finden.

Die Überzeugung
Meinungsvielfalt, Kompetenz, Diversifikation und Fachwissen sind die Erfolgsfaktoren für jedes Board – über VRMandat.com kann jede Firma mit wenigen Klicks ihr Netzwerk für die Suche nach Menschen mit diesen Eigenschaften massiv erweitern.

Die Dienstleistung
Man nennt uns das Parship für KMU und VR … Unsere Datenbank umfasst über 1000 Profile, in denen KMU, Start-ups und Stiftungen effizient, diskret und kostenschonend ihre Wunschkandidaten und -kandidatinnen finden können.

Das Ziel
Einen Impact in der KMU-Welt schaffen, indem wir vor allem den kleineren Unternehmen und Institutionen ein kostenschonendes Instrument geben, ihre Boards selbst mit erfahrenen Menschen zu erweitern.

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Marco Solari

Die zündende Idee

Gespräche mit Menschen, jungen und alten, intellektuellen und einfachen, solchen, die suchen, immerfort suchen.

Blick in die Zukunft

Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Robotik – Segen oder Fluch? Es hängt allein von uns ab!

Die Überzeugung

Respekt und «Pietät» im Sinne von Toleranz und «Barmherzigkeit».

Die Dienstleistung

Veranstaltungen von hohem künstlerischem Wert wie das Filmfestival von Locarno und die Literaturtage am Monte Verità in Ascona.

Das Ziel

Dass der Mensch die Neugier nie verliere, Motor auch des ethischen Fortschritts.

Das Filmfestival von Locarno ist das wichtigste Schweizer Event im Bereich des Films seit seiner ersten Durchführung 1946.

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Über die Zauberformel des Erfolgs

«Jung, dynamisch, innovativ.» Wer hat noch nicht und wer will nochmal sein Unternehmen mit diesen Schlagworten anpreisen und sich auf dem Markt anbieten? Sie sind in guter Gesellschaft. In Firmenportraits, Stelleninseraten oder Bewerbungen findet sich dieser Slogan zuhauf. Wie eine Art Kampfesruf und Formel für den garantierten Erfolg.

Wie aber steht es tatächlich? Man ist so alt, wie man sich fühlt, heisst es. Also bleiben wir natürlich ewig jung. Dynamisch sind wir im Geiste sowieso, und Zweiflern an unserer physischen Dynamik zeigen wir am Marathon, am höchsten Berg oder am Wirtschaftsforum beim wilden Leben in Zelten, wo es langgeht. Sind wir aber auch innovativ, also (gemäss Duden) neuartig, fantasievoll, ideenreich, originell, schöpferisch? Die gebetsmühlenartige Beschwörung des Innovativen bei vielen Unternehmen suggeriert einen laufenden Output an tollen neuartigen und erfolgreichen Produkten. Echte «Killer-Applikationen» sind auf dem Markt trotzdem nicht die Regel. Innovativ sein ist offenbar weder ein Dauerzustand noch die logische Steigerung von jung und dynamisch. Innovation lässt sich nicht erzwingen. Vielmehr «überkommt» es uns in Form einer Eingebung. Irgendwann, plötzlich, unerwartet keimt in uns eine Idee auf, wie wir ein Problem angehen oder einen komplizierter Knoten lösen oder womit wir beim Kunden auf Begeisterung stossen könnten. Wir haben eine Inspiration. Das lateinische «inspiratio» bedeutet «Beseelung» oder «Einhauchen» im Sinne einer Eingebung. Erst nach diesem initialen «Geistesblitz» ist für dessen Umsetzung aktive und schöpferische Innovation gefragt. Bei Inspirationen befinden wir uns in einer eher passiven Rolle. Weshalb wir vielleicht empfänglicher sind, wenn wir das Dauer-Aussenden von Innovationsparolen ab und zu mal abstellen.

Copyright SRF/Oscar Alessio

Thomas Bucheli
Schweizer Meteorologe und Fernsehmoderator

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Mit Herzblut und viel Liebe zum Detail

2014 kam Monika Walser zu de Sede. Ihre Hauptaufgabe: die Polstermanufaktur mit Sitz in Klingnau aus den roten Zahlen herauszuholen und ihr zu ihrem einstigen Ruhm zurückzuverhelfen. Eine Herausforderung! Doch Monika Walser packte an und schaffte innerhalb von drei Jahren den Weg zurück nach oben. Wie gelang ihr dies und was bewegt die Firma heute? Monika Walser gibt einen Einblick in ihre Strategie, in die heutige Situation wie auch in die Zukunft der Schweizer Traditionsmanufaktur.

«Es war keine leichte Hausaufgabe im Frühjahr 2014. Doch heute, wenn ich zurückblicke, bin ich unfassbar froh, dass ich die Herausforderung annehmen durfte und die Firma de Sede wieder dahin bringen konnte, wo sie hingehört: Als ein Unternehmen mit motivierten und passionierten Mitarbeitenden, als eine Traditionsmanufaktur mit einer bewegenden und unvergesslichen Geschichte und als eine Innovationsmanufaktur mit bahnbrechenden Erfindungen im Polstermöbelsegment», erläutert Monika Walser, CEO von de Sede.

Lederzuschnitt zurück in die Schweiz

Kaum war die 52-jährige Aargauerin da, traf sie eine der grössten und investitionsreichsten Entscheidungen: den zuvor ausgelagerten Zuschnitt und Einkauf des Leders wieder in die Schweiz zurückzuholen. «Um unseren hohen Schweizer Qualitätsstandard zu gewährleisten und um langfristig Kosten einzusparen, war dieser Entscheid für mich unabdingbar. Eine Lederhaut ist für uns wie ein Goldbarren und muss auch so behandelt werden. Deshalb ist der Lederzuschnitt in der Fertigung von Polstermöbeln für die Qualität des Möbels sehr wichtig», erklärt Monika Walser. Bis vor drei Jahren war das Lederzentrum aus sogenannten «Kostengründen» nach Deutschland ausgelagert. Dort fiel bei den bis zu 1500 Franken teuren Rindshäuten viel zu viel Verschnitt an. Seit das Lederzentrum wieder in Klingnau ist und mit einer neuen Laserschneidemaschine arbeitet, beträgt der Verschnitt nur noch halb so viel. «Das musste man erst einmal erklären: in einer Firma, der es so schlecht geht, in einem ersten Schritt eine teure Maschine anzuschaffen. Doch langfristig hat sich die Investition mehr als gelohnt …», bestätigt Walser.

Der Entscheid war nicht nur investitionsbedingt weitreichend, auch gegenüber den Mitarbeitenden war es eine Bewährungsprobe. Durch die vielen Management- wechsel in den vorhergehenden Jahren gab es oft Geschäftsleiter, die viel geredet, doch letztendlich nichts umgesetzt haben. «Man hatte mir damals nicht glauben wollen und können, dass der Plan auch wirklich realisiert wird. Doch nach zwei Monaten war es so weit. Die Laserschneidemaschine wurde installiert. Nach wenigen Versuchen und Einstellungsanpassungen fingen wir an, zuzuschneiden – und das Eis mit den Mitarbeitenden war in einem ersten Schritt gebrochen», erinnert sich Monika Walser. Und das war das zweite grosse Standbein, auf das Walser setzte: die Mitarbeitenden. Walsers Grundprinzipien der Mitarbeiterkommunikation basieren auf Transparenz, Ehrlichkeit und Direktheit. «Gerade zu Beginn haben wir uns oft getroffen. Nicht nur die Geschäftsleitung, sondern das gesamte Unternehmen – egal ob Aussendienstler oder Polsterer. Wir haben zugehört und nicht einfach über die Köpfe hinweg entschieden und offen und direkt kommuniziert, sowohl Positives als auch Negatives. Die neue Art zu kommunizieren kam natürlich nicht bei jedem Mitarbeitenden gut an, denn viele waren die Direktheit nicht gewohnt und konnten mit Kritik und den daraus folgenden Diskussionen nicht umgehen – und das ist bis heute ein Problem. Doch ich bin der Meinung, dass genau das die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist. Manchmal diskutieren wir heiss während Meetings, und das braucht es, denn ein lebhafter Dialog führt zu guten Argumenten, die uns dann weiterbringen», schmunzelt Monika Walser.

Der Welt zeigen, was bei uns passiert

Heute glänzt die Möbelmanufaktur mit einer Kollektion aus über 90 Designerstücken: Sofas, Sessel, Liegen, Bänke, Stühle und Tische, die mit grösster Handwerkskunst und viel Liebe zum Detail ausschliesslich in der Schweiz produziert werden. «Wir sind knapp in den schwarzen Zahlen, doch das reicht uns noch lange nicht. Deshalb stelle ich gemeinsam mit meinem Geschäftsleitungsteam die Manufaktur nochmals komplett auf den Kopf. Unser Brand soll nicht nur bekannt sein, sondern auch Emotionen wecken. Wenn man auf einem Polstermöbel von de Sede sitzt, soll man spüren, wie viel liebevolle Handarbeit dahintersteckt. Man soll fühlen, wie wertvoll wir das Leder verarbeitet und welch kunstvollen Nähte wir gesetzt haben. Man soll merken, wie viel Designerkunst sich dahinter verbirgt.

Um diese Emotionalisierung zu erreichen, setzen wir auf zwei grosse Maximen oder – wie ich auch gerne sage – auf zwei Herzhälften. Die erste ist die Manufaktur. Sie soll gehegt und gepflegt werden. Unser Handwerk wurde seit Generationen weitergegeben und es wird auch künftig federführend sein. De Sede soll für Handarbeit stehen und Handarbeit für de Sede. Das wäre perfekt – und kündigt zugleich die zweite Maxime an: Wir möchten ein ‹Medienhaus› werden und unser Markenerlebnis auf der ganzen Welt verbreiten. Man kann sich unser Medienhaus wie ein grosses Glashaus vorstellen – alles ist transparent und kann beobachtet und erlebt werden. Unser Glashaus produziert dabei nonstop Inhalte, die über alle möglichen Kanäle gestreut werden: von Print über Online mit einer neuen Website und Social Media bis hin zu weite- ren Kampagnen. Unser Ziel ist es, der Welt zu zeigen, was bei uns passiert, und die Menschen dazu zu bringen, über uns zu sprechen. Wie sieht unsere Produktion aus? Was ist typisch de Sede? Wie üben unsere Polsterer und Polsterinnen ihr Handwerk aus? Was passiert gerade, genau in dieser Sekunde? Eine Live-Berichterstattung aus unserem Haus wäre das absolute Ideal ebenso wie die täglichen Besichtigungen der Manufaktur vor Ort. Für eine professionelle Umsetzung dieses neuen Ansatzes haben wir einen Storyteller engagiert, der unsere Manufaktur im Detail analysiert, um Empfehlungen für die ideale Umsetzung geben zu können. Damit kommen unzählige tolle Storys zum Vorschein. Vor allem die Historie ist ein wichtiger und spannender Teil und muss einfach kommuniziert werden», verrät die CEO.

DS-600

Bahnbrechende Modelle

Seit über 52 Jahren produziert de Sede Polstermöbel. In diesem halben Jahrhundert lancierte das Unternehmen über 500 verschiedene Modelle. Hierunter reihen sich weltbekannte Designerstücke wie das 1972 lancierte DS-600, das in diesem Jahr 45-jähriges Bestehen feiert. Die liebevoll getaufte Sitzschlange gilt heute noch als Bestseller und ist der Hingucker eines jeden Raumes. Ein Topseller ist auch das Modell DS-47. Bei der Lancierung im Jahr 1976 musste der Messe- stand auf der IMM Köln vorübergehend geschlossen werden, weil der Ansturm auf das neue Modell so gross war. DS-47 traf nicht nur designtechnisch ins Schwarze, sondern war zugleich auch ein Innovationsvorreiter. Erstmals wurde 6 mm dickes Neckleder für ein Polstermöbel verwendet. Neckleder ist ein Liebhaberstück, da jede Haut ein Unikat ist und dem Möbel eine unvergleichlich markante und rustikale Ausstrahlung verleiht. Dafür war viel Entwicklungstüftelei nötig, denn eine Lederhaut mit solcher Dicke lässt sich nicht sehr leicht verarbeiten – und zu dieser Zeit hatte das noch kein anderer Polstermöbelhersteller geschafft.

DS-47

Bahnbrechend war darüber hinaus die Erfindung der 360° drehbaren Rückenlehne von Hugo de Ruiter mit dem Modell DS-164. Bei der Entwicklung des Produkts setzte de Sede neben der brandtypischen DNA sehr auf ihre Zielpersonen und deren Bedürfnisse. Durch die 360° drehbare Rückenlehne kann man das Sofa vielseitig nutzen: Einerseits kann man beispielsweise den Panoramablick aus dem Fenster geniessen, andererseits auch einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher verbringen, der auf der gegenüberliegenden Seite steht.

DS-164

Meilensteine in der Zukunft

Es reihen sich hier noch viele weitere spannende Innovationen und Modelle, die der Storyteller gerade wieder zum Leben erweckt. Aber nicht nur die Historie, sondern auch die Zukunft verspricht spannende Zeiten. In der Pipeline steht eine Vielzahl von Projekten, die für Schlagzeilen sorgen werden. Am 23. September wird in Los Angeles ein brandneuer Showroom eröffnet. Der Showroom wird in Partnerschaft mit der Schweizer Designerin Laura Basci geführt. Basci ist eine talentierte Modedesignerin, die in Hollywood eine Tellerwäscherkarriere hingelegt hat und mittlerweile Film- und Musikgrössen für den roten Teppich einkleidet. «Die Eröffnung wird für uns ein Meilenstein sein. Eine Zusammenarbeit wie mit Laura gab es bei de Sede noch nie – es wird unseren Markt in den USA enorm aufmischen», erläutert Walser. Ein weite- rer Höhepunkt folgt dann am 23. Oktober. Dort wird die de Sede Brand Vernissage stattfinden. «Dieser Tag wird für uns einer der wichtigsten im Jahr, denn hier werden wir unsere beiden Herzhälften endgültig vereinen, die Manufaktur und alle Grundbausteine für das Medienhaus. Ein voll funktionierendes Medienhaus werden wir innert weniger Wochen natürlich noch nicht sein, aber alle Baupfeiler dazu werden wir bis dahin gelegt haben. Und wir freuen uns bereits jetzt, unsere Kunden, Händler, Partner, Mitarbeitenden, Freunde und die ganze Welt mit unserer Strategie zu begeistern …», so Walser.

Monika Walser

Die Aargauerin leitet seit dem 2. April 2014 die Polstermanufaktur de Sede AG. Ihre beru iche Ausbildung begann mit einer Lehre zur Haute-Couture-Damenschneiderin im Aargau. Sie absolvierte diverse Studiengänge wie einen Master in Kommunikation und Ethik und war in verschiedenen Unternehmen tätig, unter anderem als Chefin des Zürcher Taschenherstellers Freitag.

Melanie Schell

 

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Gegenüberstellung

01. Welche Einkaufstrends beobachten Sie bei den Konsumenten?

Monica Monsch: Der Kunde verhält sich heute sehr «hybrid», je nach Bedarf und Situation kauft er Luxusprodukte oder Budgetartikel. Früher kauften Kunden ihren sozialen Klassen entsprechend in wenigen Geschäften, heute steht dem Kunden die ganze Welt zur Verfügung. Mit einem Klick ist er beim Bauern im nächsten Dorf oder im Fachgeschäft in Australien. Der Kunde entscheidet punktuell, was ihm ein Produkt oder eine Leistung wert ist. Das bewusste Einkaufen ist im Premium Retail angekommen. Der Kunde kauft, wenn alles stimmt: das Produkt, die Beratung, der Service und die Ambiance. Auch Herkunft, Nachhaltigkeit und die Geschichte hinter dem Produkt müssen überzeugen. Das hat Auswirkungen auf Angebot und Produktepräsentation in einem Premium Department Store. In Zukunft wird es noch wichtiger, dem Kunden auf Augenhöhe zu begegnen und sich mit ihm kompetent auszutauschen zu können – stationär wie online.

Malte Polzin: Dass immer häufiger online eingekauft wird, mit zum Teil dramatischen Folgen für den stationären Handel, ist ja nun kein Geheimnis mehr. Dem Schweizer Konsumenten fehlt es jedoch – verglichen mit europäischen Verhältnissen – an einem einfachen Zugang zu weiteren Sortimenten und Services. Sobald sich das ändert, werden weitere Dämme brechen und der noch rudimentär vorhandene Heimatschutz komplett versagen. Kunden decken nicht nur ihren tatsächlichen Bedarf im Internet, sondern sie lassen sich dort auch zunehmend inspirieren. Die Lieferzeiten werden immer kürzer und die Nutzung mobiler. In Zukunft werden wir mit Devices sprechen, siehe beispielsweise Amazon Echo, oder via Messenger mit intelligenten Einkaufsassistenten chatten.

02. Wo liegen die Vorteile des Lokalgeschäfts bzw. Onlineshopping?

Monica Monsch: Beides hat Vorteile – es kommt darauf an, was der Kunde braucht. Möchte er ein Erlebnis oder sucht er schnelle Convenience? Das Einkaufserlebnis im Laden ist wohl emotionaler durch die Präsentation, die Musik, den Duft, das haptische Erlebnis der Ware und nicht zuletzt durch die soziale Interaktion mit Menschen.

Malte Polzin: Mit dem Smartphone hat jeder Konsument im Onlineshop immer und überall Zugriff auf ein viel grösseres Sortiment als im stationären Handel, und dies meist noch zu kompetitiveren Preisen. Die Produktbeschreibungen toppen immer häufiger die Beratungen im Laden und das gewünschte Produkt wird bequem und sehr schnell nach Hause geliefert. Daher ist es nur verständlich, dass Kunden stationäre Warenhäuser zunehmend meiden.

03. Was wird für Sie in Zukunft die grösste Herausforderung sein?

Monica Monsch: Die Kunden suchen in den nächsten Jahren die Shoppingmarken aus, die ihr Bedürfnis am besten erkennen und bedienen. Die grösste Herausforderung und das Ziel von Jelmoli ist es, das langjährige Vertrauen, das wir mit unserer Geschichte seit 1833 geniessen, auch weiterhin zu erhalten. Der Kunde soll auf allen Kanälen ein nahtloses und einzigartiges Jelmoli-Erlebnis haben – egal ob in einem unserer Geschäfte oder in unserem Onlineshop auf jelmoli.ch.

Malte Polzin: In der bestehenden Plattformökonomie beherrschen Google, Facebook, Amazon, aber auch Zalando oder Alibaba die Kunden. Sie decken den grundsätzlichen Bedarf an Produkten und Services. Dieser Entwicklung müssen wir Rechnung tragen und deshalb für unsere Kunden mit kuratierten, inspirierenden Angeboten eine digitale Erlebniswelt scha en, die sich von «normalen» Onlineshops deutlich unterscheidet. Vorhandene Technologien werden wir intelligent nutzen, um unseren Kundenstamm weiter auszubauen.

Monica Monsch | Leiterin Marketing & Kommunikation, Jelmoli

Malte Polzin | CEO, DeinDeal AG

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Hey, Sie! – Sind Sie innovativ?

Ein kreativer Titel sorgt für Aufmerksamkeit. Das ist die halbe Miete für einen Essay. Ähnlich verhält es sich bei der Innovation. Den Zusammenhang von Kreativität und Innovation möchte ich Ihnen erläutern. Denn am Anfang jeder Innovation steht die menschliche Kreativität, die zu einer Idee führt.

Am Ende steht aber auch jene Kreativität, die die Idee verkauft. Will heissen, eine neue Geschäfts- oder Produktidee braucht Verbündete – von interessierten Mitarbeitenden und Vorgesetzten über potenzielle Investoren bis zu zahlenden Kunden. Ein nicht so leichtes Unterfangen, wenn man bedenkt, dass innovative Ideen oft an der Grenze von bisherigen Normen und Werten entstehen. Es stellt sich die Frage, wie man menschliche Kreativität fördert, damit sie zu gewinnbringenden Innovationen führt.

Kreative Skills wie beispielsweise «Design Thinking» zu fördern, ist für die wirtschaftliche Innovation im Hochpreisland Schweiz dringend nötig. Arbeitsplätze und Produkte geraten durch den globalen Wettbewerb unter Preisdruck. Arbeitsprozesse werden durch die Digitalisierung standardisiert, automatisiert und ausgelagert. Gleichzeitig rückt eine Generation nach, die mehr Selbstbestimmung und Freiheiten vom Arbeitgeber einfordert. Es ist die Geburtsstunde von Team Retreats (Firmenklausuren), Remote Jobs (ortsunabhängiges Arbeiten) und Coworking Spaces, aber auch von Single Entrepreneurship und disruptiven Businessmodellen. Kreativität wird zur wichtigen Zukunftsressource für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Ein Wandel bietet neue Chancen. Schaffen wir inspirierende Räume, wo Menschen angeregt werden und interdisziplinär zusammenarbeiten. Mit der Kreativfabrik 62 haben wir eine solche Initiative gestartet: Arbeiten im Coworking Space. Ideenentwicklung für Firmen. Dazwischen «Ping-Pong». Wieso «Ping-Pong», fragen Sie sich? Studien zeigen, dass die meiste Kreativität dann entsteht, wenn man sich einem neuen Thema oder einer neuen Aufgabe zuwendet. Francis Crick und James Watson kam die entscheidende Idee zur Struktur der DNA zwischen zwei Tennisspielen. Kary B. Mullis sah während einer nächtlichen Autofahrt plötzlich das Prinzip der Polymerase-Kettenreaktion vor sich, für die er später den Nobelpreis erhielt. Dazu Rainer Holm-Hadulla, Professor für Psychotherapeutische Medizin: «Kreativität findet im Spannungsfeld zwischen Struktur und Auflösung, Ordnung und Chaos statt.» Ein kreatives Arbeitsumfeld schafft maximale Innovationskraft. Google lässt grüssen. «Hey, Sie! – Sind Sie kreativ?»

Andreas Troxler  Initiant und Co-Founder der Kreativfabrik 62 GmbH in Oberkirch, Luzern. kf62.ch

 

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Barbara Artmann

Die zündende Idee

Für mich: Künzli (Schuhe). Für Künzli: den Willen und die Kultur ständiger Innovation.

Blick in die Zukunft

Ausland! Künzli mit überwiegendem Exportanteil und ich auf den Spuren der Inkakultur.

Die Überzeugung

Der Mensch im Mittelpunkt bringt nachhaltiges Wirtschaften.

Das Produkt

Kundenprobleme lösen und Kundensehnsüchte erfüllen, ob mit Produkten/Schuhen oder im Service.

Das Ziel

«Künzli ist ein Stück Schweizer DNA», für dessen Fortbestand tragen wir (trage ich) Sorge.

Innovative und wegweisende Schuh-Erfindungen prägen Tradition und Geschichte der kleinen, aber feinen Schuhfabrik Künzli SwissSchuh. Seit jeher stellt Künzli seine Schuhe im aargauischen Windisch her. 2009 gewann das Unternehmen den «Swiss Award» in der Kategorie Wirtschaft.

Barbara Artmann
Inhaberin und Geschäftsleiterin Künzli SwissSchuh AG

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Welche historische Person inspiriert Sie auch heute noch?

Patricia Wolf | Dozentin an der Hochschule Luzern

«Jane Austen fasziniert mich, zum einen wegen ihrer Unabhängigkeit, zum anderen wegen der Präzision, Feinheit und Poesie der Beschreibungen in ihren literarischen Werken. Und wir teilen noch etwas: Die Liebe zum Lesen. Sie soll gesagt haben: ‹I declare after all there is no enjoyment like reading! How much sooner one tires of anything than of a book! – When I have a house of my own, I shall be miserable if I have not an excellent library.› Ich würde gern einmal einen Tag in ihrer Bibliothek verbringen …»

Lesen Sie mehr über Patricia Wolf.

Andreas Troxler | Initiant und Co-Founder der Kreativfabrik 62

«Keine. Ich lasse mich aber gerne von geschichtlichen Herausforderungen und dazu gefundenen Lösungen inspirieren.»

Lesen Sie mehr von Andreas Troxler.

Barbara Artmann | Inhaberin und Geschäftsleiterin von Künzli SwissSchuh AG

«Katharina die Grosse von Russland, weil sie ebenso gnadenlos wie geschickt die Macht übernahm und diese dann nutzte für politisch und ökonomisch zukunftsweisende Reformen. Heute würden wir ihr einen Künzli Pussyhat Sneaker zukommen lassen. Antonio Vivaldi, weil er mit den vier Jahreszeiten ein überirdisch schönes Musikwerk geschaffen hat, das Presto vom Frühling rockmusiklaut ist Natur pur in all ihrer Kraft.»

Lesen Sie mehr über Barbara Artmann.

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Gegenüberstellung

01. Wie sollte ein Arbeitsort idealerweise gestaltet sein?

Ilona Schönle: Ideal wäre eine Symbiose aus Funktion, Inspiration, Individualität und Identifikation. Ein Arbeitsplatz sollte die Mitarbeitenden bei der Erfüllung ihrer täglichen Aufgaben unterstützen, sie zum Weiter- und Querdenken anregen, Treffpunkt für Interaktion sein und gleichzeitig Möglichkeiten der Regeneration und des Rückzugs bieten. Er sollte sich also flexibel an unterschiedliche Anforderungen der Aufgaben und individuelle Bedürfnisse der Mitarbeitenden anpassen. Der ideale Arbeitsplatz benötigt eine exakte Bedarfsanalyse mit anschliessender massgeschneiderter Planung.

Thomas Dienes: Eine der bedeutendsten aktuellen Trends ist die Digitalisierung in allen Bereichen unseres Lebens. Diese Entwicklung wird eine Optimierung der Arbeit in den Büros wie auch in der Produktion mit sich ziehen – und damit eine grundlegende Veränderung, wie wir arbeiten und welche Anforderungen an uns gestellt werden. Bei allen Veränderungen bleibt der Anspruch, einen menschengerechten Rahmen für die Menschen unterschiedlichster Generation zu bieten. Neben den rein arbeitsunterstützenden oder funktionalen Aspekten wird es immer bedeutender werden, angenehme Arbeitsorte für die Menschen zu schaffen. Die hohe Qualität des visuell und haptisch erfahrbaren Raumes und seines Equipments wird ein wesentliches Element einer menschengerechten Arbeitswelt sein, in der wir auch in Zukunft Menschen begeistern können, ihre Arbeit zu verrichten.

02. Wie sieht das Bürokonzept der Zukunft aus?

Ilona Schönle: Hier lautet das Schlagwort sicherlich Flexibilität. Die Digitalisierung erfordert von Unternehmen und Menschen eine teilweise radikale Anpassung oder sogar Neuerfindung. Büroräume werden durchlässiger und offener. Geteilte Arbeitszonen (Shared spaces) werden neben den eigenen Mitarbeitenden auch von Externen und Kunden oder auch für Co-Working genutzt. Einzelarbeitsplätze wandeln sich zu Arbeitswelten, die Raum bieten für CoCreation und kreatives Arbeiten. Grundsätzlich wird die Technik eine immer grössere Rolle spielen. Denn die zunehmende Mobilität und Flexibilität von Arbeitsmodellen erfordert einen entsprechenden Techniksupport. Wo der Mensch nicht mehr am Kabel hängt, wird das Arbeitsumfeld zur «Spielwiese».

Thomas Dienes: Innerhalb eines Arbeitsortes wächst das Bedürfnis nach Angeboten mit unterschiedlicher Qualität, um den unterschiedlichen Arten von Tätigkeiten und Anforderungen gerecht zu werden, die in schnellem Wechsel entstehen. In der richtigen Ausprägung und im richtigen Mix dieser Angebote zueinander entsteht ein passendes Bürokonzept für ein spezifisches Unternehmen zu einer bestimmten Zeit. Um notwendige und teilweise schwer absehbare Veränderungen in immer schnelleren Zyklen realisieren zu können, sind modulare und flexible Systeme bei Gebäuden, Einrichtungen und Infrastrukturen den Customized-Lösungen weit überlegen.

03. Design versus Funktionalität – was steht bei der Einrichtung des Arbeitsplatzes im Vordergrund?

Ilona Schönle: Die neuen Arbeitswelten, wie wir sie auch bei Witzig The Office Company haben, bieten eine exzellente Vereinbarkeit von beidem. Gutes Design bietet Funktionalität und Ästhetik. Eine Arbeitsumgebung mag funktional sein, aber wenn die Mitarbeitenden sich nicht wohlfühlen, leidet die Produktivität. Der Arbeitsplatz sollte der mentalen und physischen Gesundheit der Mitarbeitenden dienen und ihnen eine stressfreie Erfüllung ihrer Aufgabe ermöglichen. Ästhetische Prinzipien sind ein wichtiger Bestandteil einer ganzheitlichen Unternehmenskultur und prägend für Eigen- und Fremdbild der Organisation. Und wenn Führungskräfte gemeinsam mit ihren Teams in Open-Space-Büros agieren, anstatt sich in Einzelbüros abzuschotten, dann steht dahinter eine glaubwürdige und wertschätzende Arbeitskultur, die in hohem Masse identitätsstiftend wirkt.

Thomas Dienes: Im Spannungsfeld von Veränderungen im Umfeld und dem Wunsch der Menschen nach Ankerpunkten und Orten, an denen sie sich wohlfühlen, ist die Frage nach den richtigen Antworten bei der Konzeption des Arbeitsortes und -platzes zu sehen. USM bezieht hierzu eine sehr eindeutige Position: Es verschreibt sich seit jeher der funktionalen wie designorientierten Welt. Modulare Systeme können Lösungen anbieten, die bei der Gestaltung der Arbeitsumgebung ideal unterstützen und sich immer wieder den ändernden Ansprüchen der Mitarbeitenden und den Gesamtanforderungen einer Firma anpassen.
Vielfältige und spezifische Lösungen erzeugen, mit funktionalen und gleichzeitig designorientierten Produkten bestücken und sie immer wieder anpassen können – das ist die Antwort für die Zukunft.

Ilona Schönle, Unternehmenskommunikation, Witzig The Office Company AG

Dr. Thomas Dienes, Group Product Development Director bei USM U. Schärer Söhne AG