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Kreativität braucht Vertrauen

Geschätzte Leserinnen und Leser

Regulierungen sind staatliche Eingriffe, die im öffentlichen Interesse Marktversagen korrigieren oder zivilisatorische Risiken zum Beispiel durch Umweltbelastungen oder moderne Techniken mindern sollen. Sie dienen auch der Chancengleichheit im Wettbewerb, wie die Deregulierung von Monopolen im Rahmen der Marktöffnung der Europäischen Union gezeigt hat.

Regulierung ist nicht per se gut oder schlecht. Nichtsdestotrotz wird die zunehmende Regulierungsdichte in der Schweiz kritisiert. Der Ruf nach Reduktion administrativer Lasten für Unternehmen wird lauter. Der Markt soll sich wieder vermehrt «selber regulieren». Doch ein Blick zurück zeigt, dass die Finanzmärkte vor der Krise ebensowenig dazu fähig waren, wie sie danach das Vertrauen eigenständig wieder herzustellen vermochten. Durch die fortschreitende Globalisierung und internationale Vernetzung können zudem viele Risiken und Marktunvollkommenheiten nur länderübergreifend beurteilt und angegangen werden, wie zum Beispiel der Umgang mit Eigentums- und Nutzungsrechten an nicht stofflichen Gütern.

Die grenzenlose Vernetzung durch das Internet und darauf aufbauende Digitaltechnologien haben zwar viel Kreativität freigesetzt und einen Innovationsschub ausgelöst. Sie führen aber auch zu neuen Risiken. Das zeigen unerlaubte Nutzung von Kundendaten bei Facebook oder die Unfälle von selbstfahrenden Autos mit Verletzten und Toten. Ein weiteres Beispiel sind neue Geschäftsmodelle im Rahmen der Shared Economy. Sie führen zu flexiblen Arbeitsformen, bei denen die Arbeitskraft jedoch nur unzureichend gesetzlich erfasst und damit geschützt ist: Uber-Fahrer sind arbeitsrechtlich nicht mit Taxifahrern vergleichbar.

Hier haben Regeln und Standards die Aufgabe, den technischen Fortschritt ordnend zu begleiten und gleichzeitig Experimentierfelder für Forschung und Wirtschaft zu ermöglichen.

Die Kreativität im Zeitalter des Internets und der künstlichen Intelligenz kennt ohne Regulierung keine Grenzen, ausser die selber auferlegte Governance von Unternehmen. Und diese funktioniert nur, wenn eine entsprechend ethisch motivierte Unternehmenskultur vorherrscht.

Genauso wie Regulierungen als Belastung für die Wirtschaft beurteilt werden können, können sie das Vertrauen in Technologien und Entwicklungen stärken. Und genauso wie Kreativität positiv und innovationsfördernd konnotiert wird, kann sie zu Problemen führen, wenn sie dazu dient, Lücken im Gesetz auszunützen oder zu manipulieren. Regulierungen müssen Sinn ergeben und darauf ausgerichtet sein, Marktversagen oder Marktunvollkommenheit und Risiken anzugehen. Sie müssen wirksam und in ihrer Ausgestaltung verhältnismässig und kostengünstig sein. Eine Debatte darüber, was gute Regulierungen sind – und über die Verantwortung von Parlamentariern und Lobbyisten im Prozess – lohnt sich.

Jürg Eggenberger
Geschäftsleiter SKO

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Der Impact Hub – wo «old & new Economy» Leaders an einem Tisch sitzen

Der Impact Hub sei ein «Kraftort der Innovation und der Kollaboration», lässt sich Roger Wüthrich in der GEO zitieren. Sich selbst beschreibt der Impact Hub Bern als «das Beste aus Workspace, Ideenlabor, Business-Inkubator und Netzwerk an einem Ort». Grosse Worte – doch was genau kann man sich darunter vorstellen? Wir werfen einen Blick in das Innenleben des Impact Hub Bern.

Montagabend, Ende Oktober 2016 im Dachstock des ehemaligen Musikgeschäfts «Krompholz» in Bern: Auf einer selbst gebauten Bühne stehen die sechs Gründer des Impact Hub Bern, alle zwischen 25 und 35 Jahre alt, und erzählen was von «Community» und «Startups». Davor sitzen ungefähr 60 Personen auf unbequemen Holzstühlen und hören gespannt zu, unter ihnen Unternehmerin Nicole Loeb, die damalige amerikanische Botschafterin Suzi LeVine und Roger Wüthrich, Chief Digital Officer der Swisscom.

«Das ist die Essenz des Impact Hubs: Menschen zusammenzubringen, die sich sonst in unterschiedlichen Welten bewegen.»

Mittwochmittag, sechs Monate später, im selben Raum: Ungefähr 15 Personen bedienen sich am selbst gemachten Salatbuffet, fragen einander «wer bist du?» und tauschen sich beim gemeinsamen Mittagessen aus. Ein amerikanischer Ingenieur, der für einige Wochen als Remote aus Bern arbeitet, die Gründerin einer Organisation, die Flüchtlinge zu Unternehmern macht, und ein IT-Freelancer unterhalten sich über den Einfluss von Social Media in der Politik. Das Geschäftsleitungsmitglied einer Versicherung fragt einen Möbeldesigner über den «Design Thinking»-Hype aus. Und der Mitarbeiter eines Startups für vegane Glace diskutiert mit einer Swisscom-Mitarbeiterin und einer Grafikerin über Möglichkeiten zur Vermarktung von zuckerfreier Glace für Kinder.

Das ist die Essenz des Impact Hubs: Menschen zusammenzubringen, die sich sonst in unterschiedlichen Welten bewegen. Sie stammen aus Startups, KMU, Grossfirmen oder Verwaltung und suchen hier die Vernetzung. Im Impact Hub mietet man sich nicht einfach ein, man wird Mitglied. Es geht nicht um «co-worken», also nebeneinander arbeiten, sondern um «coworken», also miteinander arbeiten und Neues erschaffen.

Ein globales Netzwerk

Die Idee stammt nicht aus Bern, sondern entstand bereits 2005 in London. Eine Gruppe sogenannter «Social Entrepreneurs» suchte nach einem Ort, wo sie gemeinsam arbeiten und sich vernetzen konnten. Da sie keinen fanden, erschufen sie ihn kurzum selbst: Der erste Impact Hub war geboren. In den folgenden 10 Jahren breitete sich die Idee aus, ein globales Netzwerk von über 80 Hubs entstand. Dennoch ist jeder Ort einmalig, geprägt durch die jeweiligen Gründer, Mitglieder und lokalen Voraussetzungen.

«In der Schweiz öffnete 2010 der erste Impact Hub in den Zürcher Viaduktbögen seine Tore.»

In der Schweiz öffnete 2010 der erste Impact Hub in den Zürcher Viaduktbögen seine Tore, inzwischen sind Genf und Bern hinzugekommen. Die Schweizer Hubs zählen über 1200 Mitglieder, darunter Startups, Freelancer, Querdenker, Innovatoren und Visionäre. Sie kommen in den Hub, um dort im offenen Coworking-Space zu arbeiten oder um die Meetingräume zu nutzen. Sie vernetzen sich an den zahlreichen Events, unterstützen sich gegenseitig oder lancieren ganz neue Vorhaben. Mit verschiedensten Programmen wie dem «Business Helpdesk» oder der «Summerpreneurship» unterstützt der Impact Hub seine Mitglieder bei der Realisierung.

«Die bunte Mischung des Impact Hub zieht längst auch Mitarbeiter von KMU und Grossfirmen an.»

Die bunte Mischung des Impact Hub zieht längst auch Mitarbeiter von KMU und Grossfirmen an: Sie wollen nicht verpassen, was die «jungen Wilden» tun und vor allem auch wie sie es tun – denn diese prägen die Welt von morgen. Genau an dieser Schnittstelle bewegt sich auch die von Impact Hub entwickelte «Impact Academy». Die Zukunft der Arbeit wird anhand von Themen wie neuen Organisationsformen, Digitalisierung oder Generation Y fassbar gemacht.

Am ersten Impact-Hub-Event standen Nadja Perroulaz von Liip und Adi Bucher von Swisscom auf der Bühne – zwei Vertreter aus etablierten Firmen, die den Sprung bereits gewagt und Holacracy eingeführt haben. Bei Popcorn, Bier und Livemusik stellten sie sich den Fragen der Teilnehmenden: Wie ist es, sich als Chef selbst abzuschaffen? Was passiert, wenn Mitarbeiter wirklich die volle Verantwortung tragen? Wenn alle Löhne nicht nur transparent sind, sondern auch gemeinsam ausgehandelt werden? Viele der Teilnehmer trifft man nun häufiger im Hub, bei Events oder zum Coworken. Denn was den Impact Hub ausmacht, ist schwer in einen Text zu fassen oder in einem Talk zu vermitteln: Man muss darin eintauchen und es erleben.

Miriam Gantert
Physikerin ETH und Co-Gründerin von Impact Hub Bern

In eigener Sache

In der Mitgliederumfrage von 2016 wollten wir von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wissen, welche Themen Sie besonders interessieren. Dank der Auskünfte haben wir erfahren, dass Themen, die in Zusammenhang mit der Globalisierung, Digitalisierung und der Zukunft der Führungsarbeit stehen, besonders gefragt sind. Solche Inputs sind wichtig, damit wir für unsere Mitglieder am Puls der Zeit sind. Wenn auch Sie eine Themenidee mit Mehrwert für die SKO-Mitglieder haben, dann freuen wir uns, von Ihnen zu hören: leader@sko.ch

Mentoring in der SKO

Beim Mentoring unterstützt eine erfahrene Person eine weniger erfahrene Person darin, ihre Ziele zu erreichen.

Dabei kann es um die eigene Karriere gehen, die Stellensuche, ein Fachthema oder den Umgang mit digitalen Herausforderungen. Der Austausch von Mentor und Mentee ist zielfokussiert und partnerschaftlich. Die SKO hat ein Netzwerk von über 11 000 Führungs- und Fachkräften – ein grosses Potenzial an Know-how, zu dem die Mitglieder bisher jedoch keinen oder nur beschränkten Zugang hatten. Deshalb baut die SKO ein Online-Tool auf, das Mitglieder sowohl als Mentor wie auch als Mentee nutzen können. Das Aufnahmeverfahren für Mentoren erfolgt über die Geschäftsstelle, das Matching zwischen Mentor und Mentee erfolgt online im Login-Bereich der Webseite. Mehr Informationen folgen in der nächsten Ausgabe.

Just for fun!

Als ich mich auf meine letzte Tour zu «Made in Hellwitzia» vorbereitet habe, war ich mit einem für mich neuen Phänomen konfrontiert: Facebook!

Zwar war ich auf den Social Media bereits aktiv, jedoch hatte ich mich noch nie so richtig damit auseinander gesetzt. Also habe ich mir einen guten Freund geschnappt und mich mit ihm hingesetzt, um mir die Kniffe der digitalen Kommunikation erklären zu lassen. Geduld war gefragt – und mein Bekannter hatte nachher ein paar graue Haare mehr auf dem Kopf. Als Comedian bin ich es gewohnt, Menschen zu unterhalten, auf der Bühne und im Rampenlicht zu stehen. Seit einigen Jahren geht meine Präsenz aber noch viel weiter: Während früher auf einer rudimentären Website gerade mal die Tourdaten und vielleicht eine Biografie abgebildet waren, gehören heute verschiedene Social-Media-Profile dazu. Fans wollen auch im Netz Spass haben. Dennoch muss ich mir hier genau überlegen, was ich poste, denn das Internet vergisst nie. Was aber manchmal auch seine Vorteile hat: Nach 37 Jahren bringe ich mit «Just for fun!» 2017 mein erstes Best-of-Programm auf die Bühne. Ich habe die Vorbereitungen auf dieses Programm auch genutzt, um auf mein langjähriges Bühnenschaffen zurückzuschauen. Und gesucht habe ich: nach Aufzeichnungen von alten Nummern, Musik aus vergangenen Programmen und manchmal auch nach dem Sinn des damals Wiedergegebenen – mit YouTube kein Problem. Irgendwer hat irgendwann irgendwo sicher etwas aufgezeichnet und ins World Wide Web gestellt.

So sehr ich die Chancen der sozialen Medien schätze und inzwischen auch zu nutzen weiss, so bin ich doch ein Kind der Analogie: Auf der Bühne zu stehen und mein Publikum «live» zu spüren, mit ihm zu interagieren, ist für mich viel mehr wert, als jedes Like auf Facebook.

Marco Rima
Schweizer Schauspieler, Kabarettist und Autor. Ab 2. März 2017 ist er mit seinem neuen Programm auf Schweizer Tournee.

Cyberangriffe können jeden treffen

Derzeit überziehen Erpresserbanden Firmen in der Schweiz mit Überlastungsangriffen, Kleinkriminelle kapern Computer von Privatpersonen und fordern Lösegeld. Die Schweiz erlebt eine Welle digitaler Kriminalität. Informationen sind die Waffen der Zukunft.

Stellen Sie sich vor: Es ist Morgen. Sie starten wie jeden Tag ihren Computer auf – und alle ihre Daten sind weg. Ein schwarzes Loch macht sich auf ihrem Bildschirm breit. Einzig eine Meldung poppt auf. Und zwar mit einer Lösegeldforderung für die gesamten Informationen in ihrem Netzwerk. Solche Cyberangriffe haben seit Jahresbeginn stark zugenommen. Meist verschlüsseln die Täter die Daten des Opfers mit dem sogenannten CryptoLocker, einem Trojaner, oder sie überlasten seinen Server. Manchmal drohen die Täter auch damit, sensible Daten zu veröffentlichen. Für die Freigabe der Daten fordern die Kriminellen dann Lösegeld – oft in der Internetwährung Bitcoin. Es ist kein Zufall, dass die Angriffe mit dem Aufkommen neuer Zahlungsmittel wie Bitcoin zugenommen haben. «Damit lässt sich die Identität der Zahlungsempfänger verschleiern», sagt Andy Kutter, Branch Office Manager von Kyos Embedded Security. Er und Fabien Jacquier, Managing Director von Kyos, haben täglich mit solchen Fällen zu tun. Die Firma mit Sitz in Genf und St. Gallen ist einer der führenden Anbieter für umfassende Datensicherheit und Netzwerklösungen und bietet Sicherheitslösungen für Unternehmen jeder Grösse.

Cyberkriminalität kann jeden treffen

Was sich zunächst anhört wie eine Szene aus einem Science-Fiction-Film, entpuppt sich zunehmend als erschreckende Realität. Computer werden zu Waffen. Daten sind das Erdöl der Zukunft. Sie haben in vielen Fällen geschäftskritische Bedeutung. Im Zeitalter von Big Data und dem gläsernen Menschen sind Informationen zu einer neuen Währung geworden. Internetkriminalität ist ein globales Milliardengeschäft. Mit Opfern auch in der Schweiz.

Andreas Kutter | Branch Office Manager, Kyos Sàrl

Für Aufsehen sorgte beispielsweise im ersten Halbjahr 2016 der Cyberangriff auf die Rüstungsfirma Ruag. Zu den grösseren Ereignissen gehörten ein Angriff auf eine Datenbank der SVP, bei dem 50 000 E-Mail-Adressen kopiert wurden, sowie eine Infektion der Webseite von «20 Minuten». Im Sommer wurden Tausende SMS an Empfänger in der Schweiz versendet, die angeblich von der Schweizerischen Post stammten, jedoch einen Link auf eine Webseite in Lettland enthielten. Beim Anklicken des Links wurde das Opfer auf eine gehackte Webseite weitergeleitet und eine schädliche Android-App installiert.

Angriffe auf das System wie diese können jeden treffen. «Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass Cyberattacken nur grosse Firmen treffen», sagt Kutter. «In den letzten Jahren ist die Bedrohung durch Cyberkriminalität immer weiter gestiegen», erklärt er. Es ist zu befürchten, dass solche Attacken nicht nur andauern, sondern auch laufend weiterentwickelt werden. Der Markt dafür beruht derzeit auf der Voraussetzung, dass eine kritische Masse von zahlungsbereiten Opfern vorhanden ist. Kutter dazu: «Wir raten anderen Firmen: Bezahlt niemals Erpressergeld – investiert lieber in eine Abwehr-Infrastruktur. Damit ist das Geld besser angelegt.

Der Aufwand für ein komplettes Sicherheitssystem lohnt sich für jede Unternehmung. Denn der Arm der Justiz muss lang sein, um Cybertäter zu schnappen: «Meistens verlaufen die Ermittlungen im Sande, weil die Hacker sehr gut organisiert sind», sagt Fabien Jacquier, Managing Director von Kyos.

„Die meisten Attacken sind sogenannte Inside-Threats. Das heisst, sie kommen aus dem Innern der Firma.“

Andres Kutter

25 000 Angriffe pro Tag

Pro Tag finden in der Schweiz bis zu 25 000 Angriffe statt. Und trotzdem wird darüber nur selten gesprochen. «Es ist immer noch ein sehr heikles Thema», sagt Jacquier. «Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich die Informationssicherheit in jeder Firma zum Thema entwickelt und Sicherheitsoptionen überdacht werden.» Dabei müssen viele Überlegungen gemacht werden: Wer hat Zugriff auf Firmendaten? Kann ich nachvollziehen, wer die Daten benutzt hat? Wie kann ich meine Daten effizient schützen? Welche Anwendungen sind besonders verwundbar?

Fabien Jacquier | Gründer Kyos, Managing Director, Kyos Sàrl

Wer denkt, dass Angriffe nur von aussen kommen, liegt falsch: «Die meisten Attacken sind sogenannte Inside-Threats. Das heisst, sie kommen aus dem Innern der Firma, sprich von einem Mitarbeiter aus», so Jacquier. Darum braucht es Massnahmen für den internen Informationsaustausch. Folgende Tipps für ein sicheres Firmennetzwerk sind hilfreich:

  1. Erzwingen Sie Passwortkomplexität für alle Konten, einschliesslich der integrierten Konten.
  2. Gewährleisten Sie, dass bewährte Methoden und Sicherheitsrichtlinien eingehalten werden.
  3. Nutzen Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung für alle wichtigen Systeme.
  4. Um die Chancen der Früherkennung zu erhöhen, ist die Sicherheitsüberwachung ein absolutes Muss.
  5. Denken Sie daran: Selbsterkennung ist der schnellste Weg zur Eindämmung und Behebung.
  6. Installieren Sie Patches und halten Sie sich an strenge Kontrollrichtlinien.
  7. Führen Sie regelmässig interne und externe Scans durch.
  8. Führen Sie Trainings durch, die das Sicherheitsbewusstsein Ihrer Angestellten fördern.

 

Nicole Bruhlin

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Migipedia.ch: Direkte Demokratie im Detailhandel

Mit Migipedia.ch verfügt die Migros über eine erfolgreiche Kundendialog- und Involvement-Plattform, die in ihrer Funktionsweise mit direkter Demokratie verglichen werden kann. Produktbewertungen von Kunden schaffen Orientierung und durch Crowdsourcing kann das Sortiment der Migros mitgestaltet werden. Um sich auch weiterhin differenzieren zu können, gilt es aber, Migipedia.ch weiterzuentwickeln.

In Zeiten, in denen Ratings und Reviews keine Alleinstellungsmerkmale mehr sind, ist Migipedia.ch, die Involvement-Plattform der Migros, noch immer einzigartig in der Marketingkommunikation im Lebensmitteldetailhandel. Differenzieren kann sich Migipedia nach wie vor mit der Kunden-Involvement-Massnahme Crowdsourcing. Damit erfüllt der grösste Detailhändler der Schweiz das Versprechen, immer kundennah zu sein und zu handeln. Bei über 65 Produktentwicklungen wirkten Kundinnen und Kunden bis heute mit. Von der Ideenphase über die Verdichtung der Ideen bis hin zur Degustation von Prototypen findet regelmässiges Kunden-Involvement bei ausgewählten Produktentwicklungen statt. Die Migros weist dabei einen hohen zweistelligen Millionenumsatz aus, der durch Crowdsourcing-Produkte erwirtschaftet werden konnte. Hoch ist auch das Engagement der Kundinnen und Kunden, bei Verpackungsdesigns oder Geschmacksrichtungen ihre Stimme abzugeben. Genau wie in der direkten Demokratie findet nur das von der Masse mit einer Mehrheit gewählte Produkt seinen Weg in das Migros-Regal.

Thematischer Ausbau der Plattform

Die Migros war schon immer Pionierin, lange bevor der Fortschritt der Digitalisierung die Unternehmenskultur erreicht hat. Zudem ist Kunden-Involvement tief in der Migros-DNA verwurzelt. Als persönlichen Willen und allgemeines Vermächtnis hinterliessen Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler und seine Frau 15 Thesen. Eine dieser Thesen besagt, dass das Allgemeininteresse über das Migros-Genossenschafts-Interesse gestellt werden müsse. Mit Migipedia.ch wird die Detailhändlerin diesem Grundsatz auch in Zeiten der Digitalisierung gerecht. Welche Chancen ergeben sich für den Marketing-Mix, wenn Crowdsourcing nicht nur im Bereich der Produkte, sondern auch in den Bereichen Price, Place und Promotion zum Einsatz kommt? Diese Frage gilt es, zu beantworten, um das Erbe von Gottlieb Duttweiler auf eine moderne und digitale Art und Weise weiterzuführen.

Price, Place und Promotion

Involvement im Pricing-Bereich bedeutet nicht, dass Kundinnen und Kunden bei der Zahlung im Laden oder beim Online-Check-out so viel bezahlen, wie sie für angemessen halten. Es geht vielmehr darum, Wissen zu sammeln, für welchen Mehrwert Kundinnen und Kunden zu zahlen bereit sind. Involvement im Bereich Place beinhaltet nicht nur die Kundeninvolvierung bei der Gestaltung von Verkaufsflächen, sondern auch das Anbieten von Involvement-Möglichkeiten an unterschiedlichen Touchpoints. Am Beispiel von Migipedia.ch bedeutet dies konkret, dass sich die über 100 000 Mitglieder starke Community auf unterschiedlichen Websites und auf der Migros App informieren, austauschen und einbringen kann. Der Bereich Promotion befasst sich mit der Generierung von Insights, damit Kommunikationsbotschaften für Kunden an Relevanz gewinnen. Zusätzlich tragen moderne Analytics-Möglichkeiten dazu bei, dass die Migros ihre Kundschaft besser kennenlernen und mit Botschaften ansprechen kann, die für diese noch relevanter sind.

Erfüllung des eigenen Anspruchs

Die Ausweitung von Kunden-Involvement in unterschiedlichen Bereichen des Marketings bringt neue Herausforderungen mit sich. Digitalisierung von Daten, optimierte Prozesse und interdisziplinäre Strukturen sind für eine ganzheitliche Wertschöpfung von Crowdsourcing-Möglichkeiten innerhalb von verschiedenen Marketingfeldern Voraussetzung. Eine gezielte Weiterentwicklung von Crowdsourcing auf Migipedia.ch stellt sicher, dass die Migros auch in Zukunftden eigenen Anspruch erfüllt und Pionierin im schweizerischen Detailhandel bleibt.

 

Philipp Bühler
Philipp Bühler ist Projektleiter Digitale Kommunikation beim Migros-Genossenschafts-Bund.

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Tipps vom Profi

So klappts mit dem Business-Account bei Instagram

Hinter Instagram verbirgt sich eine Welt der Reisenarren, Fashionfans, Selbstdarsteller – und Brand-Ambassadoren! Denn viele Firmen haben die Social-Media-Plattform bereits für sich entdeckt und nutzen sie geschickt für ihre Werbezwecke. Aber Achtung: Ab und zu ein Foto posten reicht noch lange nicht, um bei Instagram erfolgreich mitzumischen. Was es braucht, um sich als Unternehmen gekonnt bei Instagram zu inszenieren, weiss Naomi Meran. Sie ist Beraterin für digitales Marketing bei Nemuk und hat knapp 60 000 Follower bei Instagram.

Die richtige Strategie

Community-Management bei Instagram erfordert Ausdauer und Konsistenz. Es lohnt sich, etwas Zeit in eine solide Strategie zu stecken. Dabei sollten folgende Fragen im Zentrum stehen: Wer ist meine Zielgruppe? In welchen visuellen Welten ist sie zu Hause? Welchen Content erwartet sie? Wie kann ich die Zielgruppe einbinden, wie den Brand stärken?

Einheitlicher Stil

Egal, welche Strategie ein Unternehmen für seinen Account wählt: Am allerwichtigsten ist und bleibt das Auge des Betrachters. Bilder, Farben, Bearbeitung und Ausschnitte sollten in einem einheitlichen Stil daherkommen.

Die richtigen Hashtags nutzen

Hashtags müssen strategisch eingesetzt werden, um mehr Likes für Bilder zu generieren und mehr Follower zu bekommen. Über Hashtags werden Bilder auf Instagram in einen Kontext gesetzt, gesucht und gefunden. Je häufiger also ein Hashtag genutzt wird, desto grösser wird die Community, die ein Produkt, eine Marke oder einen Account bewusst wahrnimmt. Hashtags können die Reichweite der Inhalte vergrössern, die Marke stärken und ihr helfen, in übergeordneten Kategorien und Themenfeldern gefunden zu werden. Besonders für Nischenprodukte kann sich ein gepflegter Instagramauftritt also lohnen. Generell gilt es, einen kurzen, nicht zu generischen Hashtag zu wählen, der für sich oder für den Brand spricht. Je spezifischer ein Hashtag ist, desto engagierter wird die Community ihn einsetzen.

Community first

Heute vermischen sich Inhalte mit Produktplatzierungen, Blogger werben für Marken und Produkte. Online-Empfehlungen haben einen grossen Einfluss auf den Kaufentscheid der User. Wer es also schafft, seine Botschaft über eine visuelle Sprache zu transportieren, hat vieles richtig gemacht. Wird eine Marke durch die Verwendung von gebrandeten Hashtags von Usern verbreitet, macht dies einen Brand erlebbarer, sympathischer und glaubwürdiger. Die bestehende Community wird gestärkt und ein grosses Publikum kann zusätzlich erreicht werden.

Influencer

Influencer sind die Power-User mit einer grossen Community. Immer häufiger arbeiten Unternehmen mit Influencern zusammen, weil diese authentisch sind, eine spezifische Zielgruppe ansprechen und ohne Weiteres pro Bild mehrere Tausend Likes generieren können. Diese Werte sind oftmals um ein Vielfaches höher als die Erfolgsquote klassischer Anzeigenkampagnen.

Naomi Meran