,

Kleider machen Leader

Wohin entwickeln sich in der digitalisierten Welt die Dresscodes in Sachen Arbeitsbekleidung? Und: Ist das Erscheinungsbild in der Wirtschaftswelt wirklich (noch) matchentscheidend?

Die Antwort ist diese: Es ist zwar sicherlich nicht allein ausschlaggebend, wie man aussieht und angezogen ist, um in der Arbeits­ und Geschäftswelt ernst genommen zu werden – aber es kann ganz gewiss helfen. Wenn je­mand einen überzeugenden Auftritt hat, also mit seiner Garderobe, Wesensart, Figur und Frisur im Einklang scheint, ist man eher gewillt, ihr oder ihm Konzepte, Ideen oder Produkte abzukaufen. Natürlich müssen der Inhalt und die Substanz von Produkten, Botschaften und Entscheidungen genauso gewinnend sein.

Allerdings geht es dem klassischen Anzug zunehmend an den sprichwörtlichen Kragen: Die Menschen ar­beiten heute lieber in Jeans und Pullovern als in Hemd und Jackett. Dagegen kann man wenig tun – und man muss es auch nicht, denn die aufgelockerten Kleider­ordnungen entsprechen unserer Zeit, die vom Indivi­dualismus geprägt ist.

Dennoch ist die Verachtung der Klassik ein bisschen bedauerlich, denn die klassische Garderobe wurde von vielen Generationen von Schneidern dazu entwickelt, die meisten Menschen mithilfe von Stoff und Schnitt besser aussehen zu lassen. Sie kann körperliche Ab­weichungen korrigieren, Proportionen harmonischer erscheinen lassen und Mangelzustände in der Fitness kaschieren.

Doch die Klassik stellt sich den Herausforderungen. Die Vorstellung davon, was «ordentlich angezogen sein» bedeutet, ist, wie alles in dieser Welt, im stetigen Fluss. Fotos von Businessmeetings vor 50 Jahren sehen hoffnungslos steif und veraltet aus. Auch die 1980er­Jahre wirken schon von vorgestern. Und die Entwicklung geht stetig weiter. So gibt es heute auch in der Businessgarderobe Elemente, die man vor fünf Jahren noch als sicheres No-­Go angeschaut hätte:

Der Anzug ohne Krawatte beispielsweise – das galt mal als halb fertig angezogen, jetzt ist es normal. Wie das T­-Shirt zum Jackett.

„Die klassische Garderobe ist von Generationen von Schneidern dazu entwickelt worden, Menschen besser aussehen zu lassen.“

Das Zauberwort der Stunde heisst «Smart Casual».  Es bedeutet: lässig – aber nicht nachlässig. Gemeint ist eine Art entspannte Klassik, in der die wichtigen Merkmale der traditionellen Garderobe (Hemd, Hose, Jackett, Krawatte) weiter existieren, deren Gebrauch jedoch aufgelockert ist.

In der Geschäftswelt wird «Smart Casual» immer mehr zum Standard. Statt Anzüge trägt man freie Kombinationen aus Jackett, Hemd und Hose bzw. auf­ gelockerte Varianten des Anzugs und des Kostüms.

Der beliebte Hybrid­-Dresscode «Smart Casual» verbindet Nützliches mit dem Angenehmen, sprich:  Er schlägt einen Mittelweg zwischen Business­ und Freizeitbekleidung vor. Damit sich auch traditionelle Unternehmen ein bisschen New-­Economy­-Flair geben können und die Mitarbeitenden ohne Umziehen vom Meeting zum After­-Work-­Drink wechseln können.

«Smart» meint «schlau» und bezieht sich auf den legeren Look der zeitgenössischen Brainworker, der jungen Menschen, die in Cafés vor ihren Laptops sitzen statt im Grossraumbüro. Man will so clever und Erfolg versprechend wirken wie einer, der kraft seiner Ideen nach ganz oben kommt, nicht seines teuren Anzugs wegen.

„Das Businessmeeting im Unisex-Jogginganzug werden wir noch erleben.“

Denn die Klassik lernt von der Sportswear. So haben viele Hemden bereits Stretch­Beimischungen oder sind aus technischen Stoffen gefertigt; auch die Anzüge sind so leicht und dehnbar wie nie, und manche sind auch bereits aus denselben Stoffen genäht wie Jog­ginganzüge. Dann braucht es eigentlich nur noch ein paar coole Sneakers, und man kann nahtlos und ohne sich umzuziehen vom Büro – ins Fitnesstraining. Jetzt müsste man nur noch herausfinden, wie man in Form bleibt, ohne dafür zu schwitzen. Ich bin sicher, dass die Pharmaindustrie schon entsprechende Lifestyle­-Angebote in Arbeit hat. Und zwar für Männer und für Frauen.

Oder vielleicht sagt man in Zukunft einfach ge­schlechtsneutral bzw. «gender-­fluid» für Menschen?

Denn auch das ist eine Konstante der jüngeren Mode­geschichte: Mann und Frau gleichen sich äusserlich immer mehr an.
»

Jeroen van Rooijen | Text
Journalist / Konzepter in Sachen Mode und Stil
www.vanrooijen.ch

Ausgabe 3/2019

Faltbare Autorität im Stadtverkehr

Das Klapprad, eine längst vergessene Erscheinung der Siebzigerjahre, feiert Urständ: Winzige Faltvelos erobern nach den Trottinetten die Pendlerzüge in London, New York und Zürich. Inzwischen gibt es sie natürlich auch als E-Bikes.

5 Sekunden und 19 Hundertstelsekunden – das ist der inoffizielle Weltrekord im Falten eines Brompton. Die Rede ist nicht von einem Kleidungsstück, sondern von einem sehr britischen Fahrrad: Die Marke mit dem Namen eines Londoner Stadtteils ist der grösste britische Velohersteller und inzwischen weit über das United Kingdom hinaus Kult.

Das Kultbike aus London
Denn das Brompton ist so handlich wie solid. Der dreiteilige Klappmechanismus, für den es berühmt ist, macht aus dem Drahtesel mit den kleinen 16-Zoll-Rädern in besagten fünf Sekunden (oder etwas mehr) ein Paket von 60 mal 60 mal nicht ganz 30 Zentimetern – klein genug, um von einzelnen Fluggesellschaften als Carry-On-Gepäckstück akzeptiert zu werden. Aufgeklappt hat man mit einem Brompton ein mehr als citytaugliches Fahrrad mit bis zu acht Gängen. Ausserdem gibt es handgefertigte Laptop- und Aktentaschen von stilvoll bis rustikal, die mit einem einzigen Handgriff vor dem Lenker an das Velo geklickt werden können, auf Wunsch ist das Brompton auch mit Gepäckträger erhältlich.

Der Erfolg der britischen Marke ist in der Branche natürlich nicht unbemerkt geblieben, und so sind inzwischen mehrere (wenig) erstaunlich ähnliche Räder auf dem Markt, einige davon ebenfalls mit Dreifach-faltmechanismus. Beim englischen Original klappt das Hinterrad um die Querachse nach vorn neben das Vorderrad. Das macht aus dem gefalteten Rad das kompakteste Stück Drahtesel, das es zu haben gibt.

Zweifach- oder Dreifachfaltung?
Der grösste Nachteil der Bromptons ist ihr Preis. Die vor rund 55 Jahren in London gegründete Marke ist heute hinter dem knapp 40 Jahre alten amerikanischen Stiefbruder Dahon aus Illinois die Nummer zwei, was Stückzahlen angeht. Die amerikanischen Falträder zeichnen
sich aus durch deutlich günstigere Modelle und eine Auswahl verschiedener Radgrössen von winzigen 14-Zoll- (das entsprechende Faltrad wiegt gerade noch knapp acht Kilogramm) bis zu den auch in der Fahrt deutlich komfortableren 20-Zoll-Rädern. Sie sind zusammengefaltet etwas grösser als das Brompton. Daneben kommen aus Taiwan die ebenso hochwertigen Bikes der Firma Tern, deren Räder teilweise wie Brompton einen Dreifachfaltmechanismus aufweisen oder im Design nahe an den Dahon-Vorbildern liegen. Was kein Zufall, sondern Grund für einen jahrelangen Rechtsstreit ist: Gegründet wurde Tern nämlich von der Exfrau und dem Sohn des Dahon-Gründers David T. Hon.

Noch vor der äusserst erfolgreichen Marke Tern ab 2011 setzten auch in Europa Nachahmer auf das Faltrad, darunter Müller & Riese aus Deutschland
mit dem Birdy. Dieses De-luxe-Faltrad trumpft mit Federung vorn und hinten, Scheibenbremse und einem nochmals etwas anders gestalteten Dreifachfaltmechanismus auf, der es ähnliche Packmasse wie die Konkurrenz aus England erreichen lässt. Das hat allerdings seinen Preis: Während die Dahons ab einigen Hundert Franken zu haben sind und das Brompton in der Basisversion doch schon deutlich über 1000 Franken kostet, gibts den Deutschen Faltvogel erst ab einem Grundpreis von 2600 Franken.

Massstab für die Packgrösse war bei allen Herstellern das Volumen, das unter den Sitzen typischer Vorstadtzüge zur Verfügung steht, damit Pendler aus Suburbia sportlich zum Bahnhof und in der City zum Büro radeln können. Das ist übrigens auch in der Schweiz kein Problem: Solange das Fahrrad nicht aussieht wie ein Fahrrad und in irgendeiner Form von Hülle steckt (damit keine Sitze beschmutzt werden), kann es wie ein Gepäckstück kostenlos in SBB-Zügen mitgeführt werden. Einige Bikes werden daher gleich mit Überwurfhülle geliefert und lassen sich zusammengefaltet am ausgefahrenen Sattelrohr auf den parallel stehenden oder eigens dafür montierten Stützrädchen schieben wie ein Rollkoffer. Bei einem Gewicht um die zwölf Kilo ist das auf den langen Wegen der Schweizer Bahnperrons durchaus zu begrüssen.

E-Bikes ohne Kompromisse Bleibt die Frage, warum man sich angesichts der überall herumstehenden Leihfahrräder und Elektroroller als Pendler überhaupt noch ein Velo anschaffen soll. Das kann jede und jeder beantworten, die oder der schon mal einen Termin verpasst hat, weil man sich auf die Free-Floating-Verleihfahrzeuge verlassen und keins gefunden hat.

Auf den elektrischen Rückenwind muss übrigens auch bei den Falträdern nicht verzichtet werden: Hier ist mit dem Pluto 3.1 sogar ein Schweizer Produkt des E-Bike-Pioniers Flyer am Start. Es ist allerdings mit 25 Kilogramm eher schwer und zusammengeklappt nicht besonders handlich.

Eher in die Faltveloklasse passt da noch die Serie Vektron von Tern, vor allem aber die elektrifizierte Variante des Brompton. Daran fällt auf, dass nichts auffällt: Dem Kultbike wurde ein praktisch unsichtbarer und relativ leichter Nabenmotor im Vorderrad spendiert – und auch das Akkupack bleibt unsichtbar: Es wird in einer kleinen Tasche an den Halter an der Lenksäule geklickt – oder in eine speziell adaptierte Aktentasche integriert. Mit nicht einmal 17 Kilogramm ist das E-Brompton immer noch sehr leicht.

Uns hat der Selbsttest gezeigt: Die modernen Falträder sind ein probates Mittel gegen frühen Herzinfarkt und späte Ankunft in der Innenstadt; in der E-Version noch dazu sehr bequem und generell in Bus und Bahn (noch) gut geduldet.»

,

Cyberattacken: Es kann jeden treffen

Bankraub war gestern. Wer heute schnell ans grosse Geld kommen will, braucht dafür kein Stemmeisen, keine Pistole und kein Fluchtauto. Sondern eine gute Internetverbindung und kriminelle Energie. Die Hacker sind überall und jeder kann zum Opfer werden.

Endlich Wochenende! Bauunternehmer Sascha will im Büro rasch ein paar Rechnungen stellen. Doch sein Com­puterbildschirm bleibt dunkel. Schliesslich erscheint eine Schrift und fordert ihn auf, zwei Bitcoins zu über­weisen, umgerechnet etwa 7000 Franken. Sonst bleibe das gesamte System gesperrt. Sascha wird abwechselnd heiss und kalt. Offensichtlich wird er gerade zum Opfer einer Cybererpressung. Was soll er jetzt bloss tun?

Beim Familienhotel «Touristenglück» hat sich über einen E-Mail-Anhang ein Virus im Netzwerk verbrei­tet. Inhaber Beat ist verzweifelt. Denn nun steht alles still: Die Schlüsselkarten der Gästezimmer funktio­nieren nicht mehr, er kann weder Buchungen noch Abrechnungen vornehmen. Auch die Einsatzplanung fürs Personal ist nicht mehr zugänglich. Wer zahlt Beat den Verdienstausfall?

Treuhänderin Regula sitzt stirnrunzelnd vor dem Com­puter: Wo kommen diese Zahlungen her? Schliesslich wird ihre schlimmste Befürchtung zur Gewissheit: Ein Hacker hat sich über eine vermeintlich hilfreiche Software aus dem Internet Zugriff zu ihrem E-Banking verschafft. Das Schlimmste dabei: Er hat nicht nur von ihrem Firmenkonto Geld abgezogen, sondern auch von den Konten verschiedener Kunden. Muss die Treuhänderin nun Insolvenz anmelden?

KMU sind besonders gefährdet
Diese drei Beispiele zeigen eindrücklich, welche Ge­fahren KMU im Internet drohen. Am gefährdetsten sind Unternehmen mit zwischen 10 und 50 Mitarbei­tenden: Sie sind gross genug, um für Hacker interessant zu sein – aber nicht gross genug, um einen eigenen IT-Spezialisten zu beschäftigen.

„Am gefährdetsten sind Unternehmen mit zwischen 10 und 50 Mit­arbeitenden.“

Nach einer aktuellen Studie der Zurich Versicherung haben bereits zwei von fünf KMU einen Cyberangriff erlebt. Bei 39 Prozent der Betroffenen verursachte die Attacke einen kompletten Stillstand im Betrieb: Auf­träge blieben liegen, Kunden mussten warten oder die Produktion war unterbrochen.

Oft werden die Mitarbeitenden ungewollt zu Helfern der Hacker. Denn E-Mails sind das häufigste Einfallstor für Cyberattacken: Aktuelle Phishing-E-Mails imitie­ren Geschäfts-E-Mails hochprofessionell in Text und Gestaltung und sind deshalb schwer zu erkennen. Ein Virus, der auf diese Art eingeschleppt wird, legt möglicherweise nicht nur das System lahm, sondern könnte auch dazu führen, dass Kreditkartendetails der Kunden auf einschlägigen Internetseiten auftauchen oder Gelder abgezogen werden. So kann ein noch weit grösserer Schaden entstehen – finanziell und auch für die Glaubwürdigkeit des Unternehmens.

„E-Mails sind das häufigste Einfallstor für Cyberattacken.“

Cyberrisiken sind Chefsache
Leider bieten auch die besten Sicherheitsmassnahmen keinen kompletten Schutz vor Hackerangriffen. Wer seine Mitarbeitenden konsequent schult und seine IT professionell verwaltet, kann das Risiko zumindest verringern. Ausserdem ist es wichtig, im Fall der Fälle gewappnet zu sein: Dazu gehört, dass man Daten kon­sequent sichert, am besten täglich. Anschliessend muss das Backup vom Netzwerk getrennt werden, damit die Schadenssoftware dieses nicht erreichen kann.

Ausserdem lohnt es sich, die weitreichenden Folgen von Cybervorfällen über Versicherungen abzusichern. Eine gute Cyberversicherung kommt nicht nur für die direkten und indirekten Kosten von Cyberattacken auf, sondern bietet auch Schutz bei Ansprüchen Dritter und verfügt über ein breites Netzwerk von Spezialisten. Denn das Thema betrifft nicht nur die IT: Die Folgen von Angriffen können die Existenz von Unternehmen gefährden. Deshalb müssen Cyberrisiken Chefsache sein – oder zumindest in der Verantwortung der Ge­schäftsleitung. »

 

Cyberversicherung mit 10 Prozent Rabatt
Unter zurich.ch/partner finden Sie alle Informationen zu den Angeboten von Zurich.
Hier können Sie Ihre individuelle Prämie berechnen und Ihre persönliche Offerte erstellen.

Zeltferien für Lohas-Familien

Ein Kunstwort beschreibt die junge Form der traditionellen Zeltplatzferien: «Glamping» setzt sich aus «Glamour» und «Camping» zusammen. Der Urlaub in fest installierten Komfortunterkünften auf dem Campingplatz ist nicht zuletzt bei Familien mit nachhaltigem Lebensstil beliebt.

«Du drehst dich morgens wegen der Rückenschmerzen auf der Luftmatratze und hast als Erstes eine klatschnasse, kalte Zeltwand im Gesicht – das brauche ich nicht mehr», sagt Tanja K. Dabei sieht die Mutter zweier Knaben im Alter von fünf und sieben Jahren durchaus die romantische Seite des Campings. «Es geht darum, eine Zeit lang sozusagen draussen zu leben, die Natur direkt zu spüren und sich von den strikten Regeln des ‹zivilisierten› Alltags zu lösen.»

Das sollen ihre Jungs auch erfahren, und sie freuen sich deswegen enorm auf die Ferientage auf dem Campingplatz von Sitten im Wallis. Dort haben Tanja und ihr Mann für eine Woche einen «Zeltbungalow» gemietet. «Man kann darin stehen, er hat mehrere Schlafräume und eine kleine Küche mit Kühlschrank.» Auf dem gleichen Zeltplatz sind noch weit luxuriösere Unterkünfte zu haben, «aber die waren, als wir uns im Frühsommer für diese Art der Ferien entschieden haben, alle bereits ausgebucht.»

Der «Family-Pod»

Glamping, die Kombination aus Glamour und Camping, liegt im Trend. Der TCS, mit 23 Plätzen grösster Camping-Anbieter der Schweiz, hat sein Angebot von reinen Stellparzellen um feste Installationen wie sogenannte «AirLodges», «Bungalows», «Cabanes», «Family Pods Deluxe», «Mobilhomes» und «Safari-Zelte Deluxe» erweitert. Mit zwei Effekten: Zum einen wird eine neue Kundschaft angezogen, die bisher eher in Hotels oder Ferienwohnungen Urlaub buchte. Zweitens wird die Rentabilität durch die bequemere, aber auch teurere Form des Campings deutlich gesteigert – nicht nur wegen des höheren Umsatzes pro Quadratmeter, sondern auch, weil die witterungsfesteren Unterkünfte viel besser und viel länger ausgelastet sind als die Zeltparzellen. «Die Zahlen», sagt TCS-Generaldirektor Jürg Wittwer, «belegen ganz klar, dass wir damit den Zeitgeist treffen und die Bedürfnisse der heutigen Camping-Generation abholen.»

Das «Safari-Zelt Deluxe» verfügt über Möblierung, Parkettboden …Wir leben mitten in der Stadt und besitzen weder Auto noch Zeltausrüstung.

Mehr als nur bequem

Und diese Bedürfnisse sind weit mehr als ein hedonistischer Auswuchs der Konsumgesellschaft. Wer hinschaut, erkennt, dass Glamping nicht zuletzt bei der jungen Generation mit einem «lifestyle of health and sustainability» (LOHAS) beliebt ist. Denn der materielle Aufwand für diese Art des Campings ist in der Gesamtbilanz geringer, und die Anreise beispielsweise kann auch mit dem öffentlichen Verkehr erfolgen: «Wir leben mitten in der Stadt und besitzen seit Jahren kein Auto mehr, geschweige denn eine Zelt- oder Urlaubsausrüstung», erklärt Tanja. «Wir hätten Zelte, Luftmatratzen und die ganze restliche Ausrüstung für eine Woche Ferien kaufen oder ausleihen müssen.» Das Glamping-Angebot sei die ideale Möglichkeit für Leute mit nachhaltigem Lebensstil, um diesen Typ Ferien auszuprobieren und dabei den geringsten CO2-Fussabdruck zu verursachen: «Wir haben sogar das Gepäck mit dem SBB-Gepäckdienst nach Sitten geschickt und konnten so völlig unbeschwert mit den Kindern ins Wallis reisen.»

…und eine komplette kleine Küche.

In ihrem Freundeskreis ist Glamping verbreitet, erzählt die Angehörige des mittleren Kaders eines Schweizer Grosskonzerns. Den modernen Familien, die schon im Arbeitsleben grösste Flexibilität bei ständiger Erreichbarkeit gewohnt sind, ist die Sharing-Ökonomie des geteilten Nutzens längstens näher als die Schrebergartenmentalität der Nachkriegsgeneration. AirBnB, Uber und Mobility waren die Vorreiter, Glamping verbindet das Nützliche mit dem Angenehmen und dem ökonomischen Trend: nutzen und mieten statt kaufen und herumstehen lassen – wie den Wohnwagen, der 50 von 52 Wochen auf dem Parkplatz vor dem Haus steht.

Das «Tipi» lässt Indianer-Feeling aufkommen.

Erst der Anfang

Der TCS hat diesen Trend erkannt und seine Campings je nach Lage und Publikum oder Auslegung mit den neuen Unterkünften und dem gesamten Angebot aufgerüstet. «Zum Glamping gehören aber weitere Angebote», sagt Oliver Grützner, Leiter Freizeit und Tourismus beim TCS, «sei es ein ansprechendes Restaurant auf dem Platz, ein Wellnessbereich, ein grosses Freizeitangebot, eine Poollandschaft und viel Liebe zum Detail. In der Schweiz stehen wir erst am Anfang dieser Entwicklung.»

Tanjas Familie hat die Woche Glamping in Sitten jedenfalls genossen, die beiden Buben sind vom «Zelten» begeistert. Und das wohl nicht nur, weil sie in den Feldbetten keine Rückenschmerzen und morgens nicht die nasse Zeltwand ins Gesicht gekriegt haben.

Peter Bergmann

Vom Werkmeisterverband zur SKO

125 Jahre Geschichte in Dokumenten und Objekten

Die Schweizer Kader Organisation SKO feiert 2018 ihr 125-jähriges Bestehen. 1893 gegründet, hat sich die SKO vom Werkmeisterverband zu einem branchenübergreifenden Wirtschaftsverband entwickelt, der die Interessen aller Führungskräfte in der Schweiz vertritt. Unser Fotograf hat die bewegte Geschichte des Verbands in Karton und Leder (Bild oben) und anderen Objekten abgebildet.

Die «Werkmeister-Zeitung» – das Verbandsorgan des Ursprungsverbands.

Anstecknadeln waren schon immer ein ebenso beliebtes wie diskretes Zugehörigkeitssymbol zu Gemeinschaften, Verbänden oder Gewerkschaften: Hier die ersten filigranen «Pins» des Werkmeisterverbands – ein «W» und «V».

Eine Zentralvorstandssitzung 1979 – der beeindruckende Tisch steht heute noch im Sitzungszimmer der SKO.

Die Sektion Winterthur feierte 1918 mit einer fotografischen Postkarte ihr 25jähriges Bestehen.

, , , ,

Mit Herzblut und viel Liebe zum Detail

2014 kam Monika Walser zu de Sede. Ihre Hauptaufgabe: die Polstermanufaktur mit Sitz in Klingnau aus den roten Zahlen herauszuholen und ihr zu ihrem einstigen Ruhm zurückzuverhelfen. Eine Herausforderung! Doch Monika Walser packte an und schaffte innerhalb von drei Jahren den Weg zurück nach oben. Wie gelang ihr dies und was bewegt die Firma heute? Monika Walser gibt einen Einblick in ihre Strategie, in die heutige Situation wie auch in die Zukunft der Schweizer Traditionsmanufaktur.

«Es war keine leichte Hausaufgabe im Frühjahr 2014. Doch heute, wenn ich zurückblicke, bin ich unfassbar froh, dass ich die Herausforderung annehmen durfte und die Firma de Sede wieder dahin bringen konnte, wo sie hingehört: Als ein Unternehmen mit motivierten und passionierten Mitarbeitenden, als eine Traditionsmanufaktur mit einer bewegenden und unvergesslichen Geschichte und als eine Innovationsmanufaktur mit bahnbrechenden Erfindungen im Polstermöbelsegment», erläutert Monika Walser, CEO von de Sede.

Lederzuschnitt zurück in die Schweiz

Kaum war die 52-jährige Aargauerin da, traf sie eine der grössten und investitionsreichsten Entscheidungen: den zuvor ausgelagerten Zuschnitt und Einkauf des Leders wieder in die Schweiz zurückzuholen. «Um unseren hohen Schweizer Qualitätsstandard zu gewährleisten und um langfristig Kosten einzusparen, war dieser Entscheid für mich unabdingbar. Eine Lederhaut ist für uns wie ein Goldbarren und muss auch so behandelt werden. Deshalb ist der Lederzuschnitt in der Fertigung von Polstermöbeln für die Qualität des Möbels sehr wichtig», erklärt Monika Walser. Bis vor drei Jahren war das Lederzentrum aus sogenannten «Kostengründen» nach Deutschland ausgelagert. Dort fiel bei den bis zu 1500 Franken teuren Rindshäuten viel zu viel Verschnitt an. Seit das Lederzentrum wieder in Klingnau ist und mit einer neuen Laserschneidemaschine arbeitet, beträgt der Verschnitt nur noch halb so viel. «Das musste man erst einmal erklären: in einer Firma, der es so schlecht geht, in einem ersten Schritt eine teure Maschine anzuschaffen. Doch langfristig hat sich die Investition mehr als gelohnt …», bestätigt Walser.

Der Entscheid war nicht nur investitionsbedingt weitreichend, auch gegenüber den Mitarbeitenden war es eine Bewährungsprobe. Durch die vielen Management- wechsel in den vorhergehenden Jahren gab es oft Geschäftsleiter, die viel geredet, doch letztendlich nichts umgesetzt haben. «Man hatte mir damals nicht glauben wollen und können, dass der Plan auch wirklich realisiert wird. Doch nach zwei Monaten war es so weit. Die Laserschneidemaschine wurde installiert. Nach wenigen Versuchen und Einstellungsanpassungen fingen wir an, zuzuschneiden – und das Eis mit den Mitarbeitenden war in einem ersten Schritt gebrochen», erinnert sich Monika Walser. Und das war das zweite grosse Standbein, auf das Walser setzte: die Mitarbeitenden. Walsers Grundprinzipien der Mitarbeiterkommunikation basieren auf Transparenz, Ehrlichkeit und Direktheit. «Gerade zu Beginn haben wir uns oft getroffen. Nicht nur die Geschäftsleitung, sondern das gesamte Unternehmen – egal ob Aussendienstler oder Polsterer. Wir haben zugehört und nicht einfach über die Köpfe hinweg entschieden und offen und direkt kommuniziert, sowohl Positives als auch Negatives. Die neue Art zu kommunizieren kam natürlich nicht bei jedem Mitarbeitenden gut an, denn viele waren die Direktheit nicht gewohnt und konnten mit Kritik und den daraus folgenden Diskussionen nicht umgehen – und das ist bis heute ein Problem. Doch ich bin der Meinung, dass genau das die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist. Manchmal diskutieren wir heiss während Meetings, und das braucht es, denn ein lebhafter Dialog führt zu guten Argumenten, die uns dann weiterbringen», schmunzelt Monika Walser.

Der Welt zeigen, was bei uns passiert

Heute glänzt die Möbelmanufaktur mit einer Kollektion aus über 90 Designerstücken: Sofas, Sessel, Liegen, Bänke, Stühle und Tische, die mit grösster Handwerkskunst und viel Liebe zum Detail ausschliesslich in der Schweiz produziert werden. «Wir sind knapp in den schwarzen Zahlen, doch das reicht uns noch lange nicht. Deshalb stelle ich gemeinsam mit meinem Geschäftsleitungsteam die Manufaktur nochmals komplett auf den Kopf. Unser Brand soll nicht nur bekannt sein, sondern auch Emotionen wecken. Wenn man auf einem Polstermöbel von de Sede sitzt, soll man spüren, wie viel liebevolle Handarbeit dahintersteckt. Man soll fühlen, wie wertvoll wir das Leder verarbeitet und welch kunstvollen Nähte wir gesetzt haben. Man soll merken, wie viel Designerkunst sich dahinter verbirgt.

Um diese Emotionalisierung zu erreichen, setzen wir auf zwei grosse Maximen oder – wie ich auch gerne sage – auf zwei Herzhälften. Die erste ist die Manufaktur. Sie soll gehegt und gepflegt werden. Unser Handwerk wurde seit Generationen weitergegeben und es wird auch künftig federführend sein. De Sede soll für Handarbeit stehen und Handarbeit für de Sede. Das wäre perfekt – und kündigt zugleich die zweite Maxime an: Wir möchten ein ‹Medienhaus› werden und unser Markenerlebnis auf der ganzen Welt verbreiten. Man kann sich unser Medienhaus wie ein grosses Glashaus vorstellen – alles ist transparent und kann beobachtet und erlebt werden. Unser Glashaus produziert dabei nonstop Inhalte, die über alle möglichen Kanäle gestreut werden: von Print über Online mit einer neuen Website und Social Media bis hin zu weite- ren Kampagnen. Unser Ziel ist es, der Welt zu zeigen, was bei uns passiert, und die Menschen dazu zu bringen, über uns zu sprechen. Wie sieht unsere Produktion aus? Was ist typisch de Sede? Wie üben unsere Polsterer und Polsterinnen ihr Handwerk aus? Was passiert gerade, genau in dieser Sekunde? Eine Live-Berichterstattung aus unserem Haus wäre das absolute Ideal ebenso wie die täglichen Besichtigungen der Manufaktur vor Ort. Für eine professionelle Umsetzung dieses neuen Ansatzes haben wir einen Storyteller engagiert, der unsere Manufaktur im Detail analysiert, um Empfehlungen für die ideale Umsetzung geben zu können. Damit kommen unzählige tolle Storys zum Vorschein. Vor allem die Historie ist ein wichtiger und spannender Teil und muss einfach kommuniziert werden», verrät die CEO.

DS-600

Bahnbrechende Modelle

Seit über 52 Jahren produziert de Sede Polstermöbel. In diesem halben Jahrhundert lancierte das Unternehmen über 500 verschiedene Modelle. Hierunter reihen sich weltbekannte Designerstücke wie das 1972 lancierte DS-600, das in diesem Jahr 45-jähriges Bestehen feiert. Die liebevoll getaufte Sitzschlange gilt heute noch als Bestseller und ist der Hingucker eines jeden Raumes. Ein Topseller ist auch das Modell DS-47. Bei der Lancierung im Jahr 1976 musste der Messe- stand auf der IMM Köln vorübergehend geschlossen werden, weil der Ansturm auf das neue Modell so gross war. DS-47 traf nicht nur designtechnisch ins Schwarze, sondern war zugleich auch ein Innovationsvorreiter. Erstmals wurde 6 mm dickes Neckleder für ein Polstermöbel verwendet. Neckleder ist ein Liebhaberstück, da jede Haut ein Unikat ist und dem Möbel eine unvergleichlich markante und rustikale Ausstrahlung verleiht. Dafür war viel Entwicklungstüftelei nötig, denn eine Lederhaut mit solcher Dicke lässt sich nicht sehr leicht verarbeiten – und zu dieser Zeit hatte das noch kein anderer Polstermöbelhersteller geschafft.

DS-47

Bahnbrechend war darüber hinaus die Erfindung der 360° drehbaren Rückenlehne von Hugo de Ruiter mit dem Modell DS-164. Bei der Entwicklung des Produkts setzte de Sede neben der brandtypischen DNA sehr auf ihre Zielpersonen und deren Bedürfnisse. Durch die 360° drehbare Rückenlehne kann man das Sofa vielseitig nutzen: Einerseits kann man beispielsweise den Panoramablick aus dem Fenster geniessen, andererseits auch einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher verbringen, der auf der gegenüberliegenden Seite steht.

DS-164

Meilensteine in der Zukunft

Es reihen sich hier noch viele weitere spannende Innovationen und Modelle, die der Storyteller gerade wieder zum Leben erweckt. Aber nicht nur die Historie, sondern auch die Zukunft verspricht spannende Zeiten. In der Pipeline steht eine Vielzahl von Projekten, die für Schlagzeilen sorgen werden. Am 23. September wird in Los Angeles ein brandneuer Showroom eröffnet. Der Showroom wird in Partnerschaft mit der Schweizer Designerin Laura Basci geführt. Basci ist eine talentierte Modedesignerin, die in Hollywood eine Tellerwäscherkarriere hingelegt hat und mittlerweile Film- und Musikgrössen für den roten Teppich einkleidet. «Die Eröffnung wird für uns ein Meilenstein sein. Eine Zusammenarbeit wie mit Laura gab es bei de Sede noch nie – es wird unseren Markt in den USA enorm aufmischen», erläutert Walser. Ein weite- rer Höhepunkt folgt dann am 23. Oktober. Dort wird die de Sede Brand Vernissage stattfinden. «Dieser Tag wird für uns einer der wichtigsten im Jahr, denn hier werden wir unsere beiden Herzhälften endgültig vereinen, die Manufaktur und alle Grundbausteine für das Medienhaus. Ein voll funktionierendes Medienhaus werden wir innert weniger Wochen natürlich noch nicht sein, aber alle Baupfeiler dazu werden wir bis dahin gelegt haben. Und wir freuen uns bereits jetzt, unsere Kunden, Händler, Partner, Mitarbeitenden, Freunde und die ganze Welt mit unserer Strategie zu begeistern …», so Walser.

Monika Walser

Die Aargauerin leitet seit dem 2. April 2014 die Polstermanufaktur de Sede AG. Ihre beru iche Ausbildung begann mit einer Lehre zur Haute-Couture-Damenschneiderin im Aargau. Sie absolvierte diverse Studiengänge wie einen Master in Kommunikation und Ethik und war in verschiedenen Unternehmen tätig, unter anderem als Chefin des Zürcher Taschenherstellers Freitag.

Melanie Schell

 

,

Rennfahrerin, ein etwas anderes Arbeitsmodell

In Personalunion mit 250 km/h als Rennfahrerin auf einem über 200 PS starken Superbike in einer der am härtesten umkämpften Klassen antreten, Markenbotschafterin, Leistungssportlerin, Mutter zweier Teenager und selbstständige Unternehmerin sein – zugegeben, das ist kein klassisches Arbeitsmodell.

Dass wir Frauen «Multitasking» aus dem Effeff beherrschen sollen, reicht hier alleine auch nicht aus, um in den genannten Disziplinen dann auch Erfolg zu haben. Dafür werden ein paar Dinge mehr benötigt: permanente Zielfokussierung, absolute Leidenschaft, Agieren abseits des Mainstreams, Durchhaltevermögen, starke Partner und eine Familie als ruhender Pol.

Ich weiss nicht, was genau ein klassisches Arbeitsmodell heute noch sein soll, wo sich so vieles im Wandel befindet und wir gerade eine Zeit der Neuausrichtung durchleben. Ich habe aber das Gefühl, dass meine beiden Tätigkeiten als Unternehmerin und Rennfahrerin mehr Gemeinsamkeiten aufweisen, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Denn um erfolgreich zu sein, braucht es in beiden Sparten doch sehr viel mehr als nur ein bisschen von allem. Ich kann nicht nur «ein wenig …» – mein Motto lautet: Entweder ganz oder gar nicht. Und wenn, dann mit allem, was ich habe. Ob Leidenschaft oder fast schon Besessenheit, ohne dieses absolute Brennen für die jeweilige Sache kommt kein Erfolg, weder im Unternehmen noch im Sport. Wie überall ist dies aber auch mit Nachteilen verbunden: Dieser Teil von mir ist nicht immer bequem, teilweise ist er gar anstrengend für alle um mich herum. Doch letzten Endes ist es eben genau dieser Biss, der den Unterschied macht.

Jeder Tag erfordert das Setzen und Einhalten von Prioritäten für meine Firmen, die Vermarktung meiner Person, den Sport und die Familie – alles Herausforderungen, die ich liebe. Denn ich freue mich täglich auf Neues, Spannendes und ungeahnte Möglichkeiten. Und das am liebsten mit Vollgas!

Sabine Holbook

Motorradrennfahrerin, Markenbotschafterin und Unternehmerin.