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Gegenüberstellung

01. Was sind Eigenschaften, die ein moderner Leader erlernen muss?

Stephan Koch: «Ein motiviertes, selbstständiges Team ist der Schlüssel zum Erfolg. Dafür muss der heutige Chef einiges tun, und das, indem er die richtigen Leute im richtigen Mix mit der entsprechenden Kompetenz und Verantwortung ausstattet. Der moderne Leader sollte zum bewussten Hinhörer werden, aktiv nachfragen und einen offenen Spielraum für andere Meinungen zulassen. Er oder sie soll vor allem in einer unterstützenden Funktion tätig sein und im Bedarfsfall mit Rat und Tat zur Seite stehen. In der heutigen Informations- und Aufgabenflut ist der Leader ein Eckpfeiler, der entscheiden kann, die strategischen Akzente und die Prioritäten für sich und sein Team zu setzen vermag.

Sandra Adlesgruber: «Der moderne Leader reagiert schnell auf wechselnde Bedingungen und neue Anforderungen. Er erkennt Gelegenheiten für sein Unternehmen und springt als Erster auf den Zug auf, noch bevor andere überhaupt an eine Fahrt gedacht haben. Agilität ist kein Fremdwort, sondern muss zugunsten des Kunden/des Projekts/des Erfolgs gelebt werden – und zwar vom ganzen Team, das der moderne Leader zu motivieren weiss. Autoritäre Führung und strenge Hierarchie sind die Killer Nummer eins von Fantasie, Kreativität und neuen Wegen.»

02. Und welche muss er vergessen?

Stephan Koch: «Patriarchisches Denken und Handeln ist passé. Denn von der Arroganz und der Profitgier wird man früher oder später eingeholt.»

Sandra Adlesgruber: «Antrainierte starre Vorgehensweisen darf man getrost über Bord werfen, aber ohne zu radikale Änderungen an der Grundstruktur vorzunehmen. Die Unternehmen verabschieden sich am besten auch von systemtreuen Klonkriegern. Wer Erfolg haben will, muss auf kreative, individuelle Teammitglieder setzen, die auch die Schwächen des Unternehmens erkennen und offen ansprechen. Heterogene Zusammensetzung von Kompetenzen und Fähigkeiten lautet die Zauberformel.»

03. Wie hat die Digitalisierung die Führungskultur in Ihrem Unternehmen verändert?

Stephan Koch: «Die Digitalisierung hat innovative Instrumente hervorgebracht: auf Blick die Arbeitsstundenübersicht, auf Klick die entscheidenden KPIs und auf Sicht die zu erwartenden Umsatzzahlen. Die Digitalisierung kann und sollte unterstützend herbeigezogen werden, doch darf sie die eigentlichen Aufgaben eines Leaders nicht ersetzen.»

Sandra Adlesgruber: «Alte Strukturen mussten auch bei uns losgelassen werden, denn ein strenges Korsett ist Gift für die Agilität. In der Führungsetage sind mittlerweile erste Digital Natives angekommen und die Führungskultur hat sich nicht zuletzt auch deswegen weg vom teils Patriarchalischen und Autoritären zu einer offeneren entwickelt.»

 

Stephan Koch | Key Account Manager, Christinger Partner AG, SKO-Firmenpartner

Sandra Adlesgruber | Leiterin Marketing, Vertrieb & Customer Online Campaign, Neue Mediengesellschaft Zürich AG, SKO-Firmenpartner

 

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Die Zukunft der Führung

Kurzinterview mit Petra Kipfelsberger

Petra Kipfelsberger, Post-Doc und Lehrbeauftragte für Personalmanagement am Institut für Führung und Personalmanagement der Universität St. Gallen,
spricht im Kurzinterview über den besten Führungsstil, neue Leadership-Modelle und das Personalmanagement der Zukunft.

Was ist die wichtigste Erkenntnis, die Sie bislang bei Ihrer Forschungstätigkeit zum Thema Führung gewonnen haben?

Eine der zentralen Aufgaben von Führungskräften ist es, Mitarbeitenden Sinn bei der Arbeit zu vermitteln und zu ermöglichen. Unsere Forschung zeigt, dass es für die Erfüllung dieser Funktion vor allem eines braucht: nämlich, dass Führungskräfte zunächst selbst Sinn bei ihrer Arbeit erleben. Wenn das der Fall ist, dann können sie ihre Mitarbeitenden wirklich inspirieren.

Mit zunehmender Digitalisierung wächst auch das Spannungsfeld «digital versus analog». Bedingt die veränderte Arbeitswelt neue Führungsformen? Inwiefern können die bisherigen Modelle weiterhin bestehen?

In der digitalisierten Welt braucht es eine gute Kombination aus «digital und analog». Dabei kann auf bestehenden Modellen aufgebaut werden; jedoch werden einige altbewährte Faktoren an Bedeutung gewinnen: eine gute Vertrauenskultur, ein hohes Mass an Selbstführungskompetenzen bei den Mitarbeitenden sowie ein gemeinsames Ziel, das sowohl von Führungskräften als auch von Mitarbeitenden als persönlich sinnvoll erachtet wird.

Laissez-faire, autoritär, partizipativ … die Liste an möglichen Führungsstilen ist lang. Gibt es Ihrer Meinung nach einen «Königs-Führungsstil»?

Für mich ist der Führungsstil vor allem ein Ausdruck der tiefer liegenden inneren Haltung der Führungskraft gegenüber den Mitarbeitenden und der Werte der Führungskraft. Es kommt besonders auf die Intention an, mit der etwas delegiert wird. Gelingt es der Führungskraft, den Mitarbeitenden das «Warum» aufzuzeigen, und ist dieses «Warum» sowohl im besten Interesse des Unternehmens als auch des Mitarbeiters, werden Mitarbeitende mit hoher Wahrscheinlichkeit ihr Potenzial und ihre Talente gerne einbringen und die Aufgaben aus eigener Überzeugung bestmöglich erfüllen.

Wie Kunden den Kontakt zu den Mitarbeitenden erleben, prägt stark das Image einer Firma. Wenn es darum geht, das kundenorientierte Verhalten zu beeinflussen, spielt Führung eine wichtige Rolle. Wie sollte sich der Chef optimalerweise verhalten?

Der Chef sollte hier eine Vorbildfunktion einnehmen. Er sollte sich selbst um wichtige Belange von Kunden kümmern und den Kontakt zum Kunden sichtbar für die Mitarbeitenden pflegen; am besten aus der inneren Überzeugung heraus und nicht aus Pflichtbewusstsein.

In den kommenden Jahrzehnten werden vermehrt Roboter gewisse Arbeiten ausführen. Wie, glauben Sie, wird sich diese Entwicklung auf die Führungsetage auswirken?

Führungskompetenzen werden dadurch noch an Bedeutung zunehmen. Soziale wie emotionale Kompetenzen werden gefragter sein denn je. Vorausschauendes, nachhaltiges Planen und Führen anhand von langfristigen Zielen wird wichtiger werden.