Mehr als reden – es braucht Freude

Agile Unternehmensführung lautet die Lösung für Unternehmenslenker der heutigen Zeit. Gemeint sind Antworten auf die zunehmende Veränderungsdynamik, die den Organisationen ein hohes, manchmal bis an die Schmerzgrenze reichendes Mass an Flexibilität abverlangt. Agile Unternehmen brauchen Menschen, die die Grundregeln guter Kommunikation beherrschen. Und es braucht noch mehr: Menschen, die Freude an der Kommunikation haben.

Der Begriff der Organisation oder des Unternehmens täuscht allzu leicht über die Pluralität hinweg, die sich in ihm verbirgt. Wenn wir vermeintlich von einer Einheit sprechen, so sind es tatsächlich Hunderte und möglicherweise mehr von Individuen, die in ihrer Einzigartigkeit und Komplexität auf eine gemeinsame Richtung eingeschworen werden sollen.

Bildlich gesprochen lebt jede Persönlichkeit in ihrer eigenen Erfahrungs- und Wahrnehmungsinsel, die ihr Verhalten und ihre Entscheidungen prägt. Führungskräfte haben die Aufgabe, dieses Meer von kleinen Inseln zu einer Mega-Insel zu vereinen. Wie soll das gehen? Durch einen kontinuierlichen Prozess des Austauschs. Denn die Inseln verbinden sich nicht über ihre Unterschiede, sondern über ihre Gemeinsamkeiten.

Der Dialog ist demnach nichts anderes als ein ständiges Abtasten nach Werten, Zielen, Erfahrungen und Bedürfnissen, die verbinden. Der Dialog regt zudem einen Bewusstseinsprozess an. Er sät Samen, die sich unter sorgsamer Pflege entfalten und zu Parallelen zwischen den Inseln beitragen.

Im Innen formen

Führungskommunikation basiert auf Information, Relevanz, Respekt und Klarheit. Der Rhetoriker und Speaker René Borbonus drückt es folgendermassen aus: «Das Wort Informieren setzt sich zusammen aus innen und formen, anders ausgedrückt: im Innen formen.» Klarheit beginnt immer mit der eigenen Klarheit. Ich kann nur Klarheit beim Gegenüber erwirken, wenn sie in mir bereits die freie Sicht gestattet. Relevanz erfordert Sensibilität für den anderen. Relevant ist für ihn, was sich mit seiner Erfahrungs- und Wahrnehmungsinsel überlappt. Und wer Respekt für sich selbst einfordert, ist gefordert, ihn ebenfalls im Austausch mit anderen zu wahren.

Ein Lob kann immense Energien freisetzen und über den einen oder anderen Misserfolg hinwegtragen.

Freude ist die Essenz

«Der einzige Weg, grossartige Arbeit zu leisten, ist zu lieben, was man tut», sagte Steve Jobs. Diese Botschaft kann im übertragenen Sinne bedeuten: Wer mit Überzeugungskraft führen will, braucht Freude an der Kommunikation, somit am Teilen und an der zwischenmenschlichen Verbindung. Oft wird besonders im unternehmerischen Umfeld unterschätzt, dass der Kunst der persönlichen Kommunikation ein Wissen zugrunde liegt, das uns nicht per se in die Wiege gelegt ist. Genauso wie in anderen Disziplinen geht es um Regeln, Methoden, Instrumente, die gelernt sein wollen. Je besser wir die Klaviatur der Kommunikation verinnerlicht haben, umso mehr erlaubt sie Erfolgserlebnisse und damit Freude am Austausch.

Barbara Zanzinger, Inhaberin Zanzinger Consulting

Freude beginnt mit einer Entscheidung

Wer mit Liebe und Freude einer Tätigkeit, beispielsweise einem Hobby nachgeht, schwebt nicht ununterbrochen im siebten Himmel. Es gibt Phasen der Lustlosigkeit, Momente der Niedergeschlagenheit. Erfolgsmomente bleiben vielleicht aus. Ausdauer, Zähigkeit und Disziplin sind gefordert, um nicht aufzugeben oder sich dem Reiz anderer Abwechslungen hinzugeben.

Vorbilder aus der Kunst, der Wirtschaft, Wissenschaft oder dem Sport zeigen uns, dass Meisterschaft Leidenschaft erfordert, doch gleichzeitig mit einer inneren, klaren Entscheidung, einem Commitment beginnt. In dem Moment, wo wir uns entscheiden, Kommunikation mit Engagement und Herzblut zu praktizieren, in dem Moment richten sich unsere Gedanken auf diese Aufgabe aus. Wir sind fokussiert und öffnen unsere Wahrnehmung für Ideen, Beobachtungen und Erlebnisse, die uns immer häufiger begegnen.

Sich anstecken lassen

Was ist erfrischender und ermutigender, als sich mit Gleichgesinnten zu umgeben? Wir sind in einer Welt, die wunderbare Möglichkeiten eröffnet, sich mit anderen Menschen zu umgeben und auszutauschen. Sie helfen, dem Thema eine Art der Normalität zu geben. Man ist nicht allein, sondern Teil einer grossen Community, in der die Liebe zur Kommunikationsexpertise zur Normalität wird. Zu empfehlen sind Rhetorikclubs, denen sich auch Unternehmen anschliessen können, und inspirierende Rednernächte. Es gibt ein breites Angebot an wertvollen Seminaren und nicht zuletzt guter Literatur. Neue Technologien erleichtern den Zugang zu Wissensdatenbanken und Netzwerken.

Sich selbst aufrichtig und wertschätzend anzuerkennen ist genauso wichtig wie die Anerkennung anderer.

Die Kraft von Gedanken und Körpersprache nutzen

Wie wir denken, so fühlen wir. Gedanken – in Form von inneren Bildern und Filmen – lösen in uns Gefühle aus und zeigen sich unvermittelt in unserer Körpersprache. Gefühle des Unmutes, der Unlust sind möglicherweise gekoppelt an frustrierende Erfahrungen aus der Vergangenheit, beispielsweise Gesprächen, die misslungen waren, in denen wir uns möglicherweise gedemütigt fühlten. Körperlich zeigen sich die Erfahrungen, zum Teil unbewusst, in Unsicherheiten und Verspannungen. Wir machen uns klein, immer bereit für den Rückzug. Unser Körperempfinden verstärkt unser Unwohlsein und nimmt Einfluss auf unsere Gedanken.

Wir können uns diesem Problemkreis allerdings entziehen. Wir können ganz bewusst auf unsere Gedanken einwirken, genauso wie auf unsere Körperhaltung. Ein aufgerichteter Rücken, eine aufrechte Kopfhaltung, eine entspannte Atmung erlauben bereits ein besseres Gefühl. Es bedarf etwas Übung und Vertrauen und ist doch sehr wirksam.

Ancilla Schmidhauser, Business Storyteller Trainerin und Gründerin von Impact Consulting.

Üben, üben, üben

Freude ist ein Ergebnis eines regelmässigen kontinuierlichen Praktizierens und des Willens, sich immer wieder mit Inspirationen und Erfolgserlebnissen anzufeuern. Die Anerkennung von Fortschritten ist in diesem Zusammenhang ein nicht zu unterschätzender Aspekt. Er rückt in unserer von Schnelligkeit getriebenen Leistungswelt oftmals in den Hintergrund. Sich selbst aufrichtig und wertschätzend anzuerkennen, ist genauso wichtig wie die Anerkennung anderer. Ein Lob kann immense Energien freisetzen und über den einen oder anderen Misserfolg hinwegtragen. Übung und Wertschätzung lösen Freude aus, die beim Gegenüber ankommt.

Die Qualität der interpersonellen Kommunikation im unternehmerischen Umfeld sollte nicht dem Zufall überlassen sein. Sie entfaltet ihre Stärken, wenn ihre Klaviatur den Spielern vertraut ist. Eine Kommunikationskultur, die Können und Freude verbindet, entzündet ein Miteinander, das von mehr Klarheit, Verständnis und Respekt geprägt ist. Kommunikation ist die Grundlage einer Unternehmenskultur, die den anspruchsvollen Agilitätsherausforderungen begegnen will und kann.


Ancilla Schmidhauser und Barbara Zanziger

Agilität

Geschätzte Leserinnen und Leser

Der ständige Wandel und die sich stetig ändernden Rahmenbedingungen verlangen den Unternehmen einiges ab. Eigenschaften wie Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Innovation sind nur einige der Charakteristika, wenn es darum geht, wichtige Schlüsselfaktoren heutiger Unternehmensstrukturen aufzuzeigen. Kurzum: Unternehmen müssen agil sein. Die Vorteile davon sind eindeutig: Mit der Förderung agiler Ansätze innerhalb von Teams und Projekten sind Unternehmen imstande, dynamischer zu agieren und eine schnelle Reaktionsfähigkeit sicherzustellen, was in dem heutigen wirtschaftlichen Umfeld einer der wichtigsten Grundpfeiler ist. Flexibilität wird zum Wettbewerbsvorteil.

Im Zeitalter der Digitalisierung, welche zu einer zunehmenden technischen und sozialen Komplexität führt, wird die Zukunft von agilen Unternehmen bestimmt. Für Führungskräfte setzt dies ein umfangreiches Skillset voraus. Sie müssen ein hohes Mass an Diagnose- und Change-Kompetenz aufweisen, um ihre Teams erfolgversprechend im konstanten Wandel zu unterstützen. Starre Führungsrichtlinien, lange Entscheidungswege und Hierarchiedenken – in einem agilen Unternehmen, geprägt von kurzfristigen Prozessen und Schnelllebigkeit, sind solche Prinzipien nicht mehr zeitgemäss.

Es bedarf einer Vertrauens- und Fehlerkultur, in welcher die Selbstorganisation und Selbstverantwortung sowie die persönliche Weiterentwicklung der einzelnen Mitarbeitenden grossgeschrieben wird. Der Austausch zwischen Führungspersonen und den Teams ist gerade bei der Implementierung agiler Ansätze enorm wichtig, um für alle ein möglichst positives Umfeld zu schaffen und kritischen Stimmen entgegenzuwirken.

Thomas Weibel
Verbandspräsident SKO

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Innovation und Nachhaltigkeit trifft auf Design

JUNGLE FOLK

Die Philosophie hinter dem Label Jungle Folk ist, zeitlose Frauenkleidung aus hochwertigen Stoffen herzustellen und zu verkaufen. Kleider, die Menschen ein gutes Gefühl geben: sowohl der Kundin, die es trägt, weil sie sich drin wohlfühlt, wie auch den «Machern», da diese in der Produktion weitaus mehr sind als nur «Maschinen», die den ganzen Tag die gleichen Bewegungen ausführen. Jungle Folk arbeitet in enger Kooperation mit Näherinnen und Kunsthandwerkerinnen weltweit. Die Zusammenarbeit mit Jungle Folk ermöglicht ihnen eine nachhaltige Entwicklung – einerseits durch die faire Bezahlung und andererseits durch ihre Integration in den Entwicklungsprozess.

Ökologisch und fair hergestellt

Als Pauline Marie Treis, die Gründerin von Jungle Folk, anfing, sich mit der Modeindustrie auseinanderzusetzen, war sie sehr schockiert. Nicht nur darüber, dass die Industrie – gleich hinter Erdöl – an zweiter Stelle steht, was Verschmutzung anbelangt, sondern auch, dass weltweit Menschen oft unter sklavenähnlichen Konditionen arbeiten, damit die «entwickelte Welt» günstige Kleidung kaufen kann. Pauline Treis war damals viel auf Reisen in Lateinamerika und die Armut, die sie da sah, berührte sie. Ihre erste Motivation, ein faires Modelabel zu gründen, war also sehr persönlich. Sie fing an, mit kleinen Kooperativen und Partnern weltweit Kollektionen zu entwerfen und zu produzieren – ganz unter dem Leitspruch «Trade not Aid».

Bei der Auswahl der Materialien hat die Firmengründerin hohe Ansprüche und sie achtet sehr auf die Herkunft; Jungle-Folk-Stücke sind nur mit ökologisch und fair zertifizierten Stoffen hergestellt. Bezüglich Design entwickelt die junge Frau tragbare Lieblingsstücke. Ihr Anspruch ist es, Kleider zu entwerfen, die Frauen lieben und deshalb immer wieder tragen. Denn auch darin sieht sie den Aspekt der Nachhaltigkeit: Es gehe nicht darum, möglichst verrückte Stücke zu kreieren, die nur einmal angezogen werden und dann im Kleiderschrank verstauben, meint die Designerin.

«Never Out Of Season» nennt sie dazu passend die zeitlosen Stücke, die sie eigentlich immer in der Kollektion hat. So wissen Kunden, dass sie ein bestimmtes Kleidungsstück immer wieder bekommen können – beispielsweise, wenn das blaue Olivia-Shirt zum Lieblingsstück wird und man das gleiche in Schwarz noch dazu haben möchte. Darüber hinaus stellt Jungle Folk limitierte Auflagen von mehr elaborierten Stücken her, in denen viel Handwerk steckt, wie zum Beispiel Strick, Macramé oder Schmuck.

Es geht nicht darum, möglichst verrückte Stücke zu kreieren, die nur einmal angezogen werden und dann im Kleiderschrank verstauben.

Pauline Treis sieht Jungle Folk als eine Art Community, in der die «Maker» mit den Endkunden verbunden sind. Die Unternehmerin versucht diese stetig weiter zu entwickeln. So hält sie laufend nach neuen Produzenten mit speziellen Materialien oder Techniken Ausschau. Sie arbeitet ausschliesslich mit kleineren und mittleren Produzenten zusammen, die ihr Transparenz garantieren können. Ein Traum der Designerin ist, die Menschen in Zukunft weltweit zu befähigen und zu vernetzen. Schon heute arbeitet sie mit Kooperativen an der Karibikküste Kolumbiens, in den peruanischen Anden, im Norden Indiens oder in Bosnien. Eine neue Art von Transparenz möchte die 30-Jährige in der Modebranche schaffen, indem Menschen über ein Kleidungsstück und dessen Entstehungsart online viel erfahren können.

Der Quereinstieg und seine Herausforderungen

Als Quereinsteigerin startete Pauline Treis in die Modewelt. Vielleicht habe sie sich da sogar etwas naiv reingestürzt, meint die junge Frau, die weder einen Background in Mode noch in Wirtschaft hatte. Doch sie habe in den ersten Jahren unglaublich viel gelernt, erklärt die Designerin. Im Laufe der Zeit hat sie die Marke weiter professionalisiert und wachsen lassen – bis sie endlich das war, was sich die Unternehmerin vorgestellt hatte.

Jungle-Folk-Stücke sind nur mit ökologisch und fair zertifizierten Stoffen hergestellt.

Als «One-Women-Show» sei das zeitweise sehr viel gewesen, was da alles selber zu managen war, erinnert sich Pauline Treis. Die Entwicklung der Designs, die Prototypen, die Entwicklung der Stoffe sowie die Bestellungen, die Logistik, der Verkauf und die Website. Die Herausforderung hat die junge Unternehmerin auf vielen Gebieten weitergebracht. Und diese hat das benötigte organische Wachstum gebracht, um die Strukturen aufzubauen, mit denen sie mittlerweile die Entstehung und die gesamte Produktion der Jungle-Folk-Stücke kontrolliert.

Pauline Marie Treis
Gründerin Jungle Folk

SELFNATION

Passende Kleider zu finden ist nicht einfach – passende Jeans zu finden, ist schon fast ein Ding der Unmöglichkeit. Eine Studie hat gezeigt, dass Frauen im Schnitt 18 und Männer 12 Paar Jeans anprobieren, bevor sie eine passende finden. Genauso ging es vor einigen Jahren den heutigen SELFNATION-Gründern Andreas Guggenbühl und Michael Berli, als sie mit ihren Freundinnen Jeans shoppen waren. Wie so häufig war es ein frustrierendes Erlebnis, da sie unzählige Jeans anprobierten – und keine wirklich perfekt passte. Aus dieser kleinen Geschichte entwickelte sich zusammen mit Creative Director Sandra Guggenbühl und einer Designerin im Jahr 2013 SELFNATION – die Brand für die perfekte Jeans nach Mass.

Für jeden Kunden individuell

Zusammen mit den zwei Creatives aus Berlin entwickelten Guggenbühl und Berli ihre absolute Innovation, die Modedesign und Technologie vereint. Dabei immer im Hinterkopf die revolutionäre Vision: eine perfekte Jeans kreieren, die Stil, Tragekomfort und eine individuelle Passform verbindet. Nach vielen langen Nächten entstand aus der Idee ein spezieller Algorithmus, aus dem nach Eingabe der Körpermasse für jeden Kunden ein individuelles Schnittmuster erstellt wird.

In traditionellem Schneiderhandwerk stellen die Manufakturen jeden Tag ganz persönliche Unikate her.

Für die Bestellung werden nur zwei Dinge benötigt: ein Massband und ein Internetzugang. Ein Video führt den Kunden Schritt für Schritt durch den Vermessungsprozess. Ist dieser abgeschlossen, wird in Sekundenschnelle ein 3D-Modell des eigenen Unterkörpers erstellt. In einer 360°-Ansicht begegnet man nun das erste Mal seiner eigenen Hose. Wie vor einem Spiegel kann man die Hose von allen Seiten betrachten. Für dieses einzigartige Erlebnis verwendet SELFNATION eine mehrfach ausgezeichnete Technologie, die an der ETH Zürich entwickelt wurde. Das Resultat: eine Lieblingshose, die sitzt wie sonst keine!

Nachhaltigkeit steht im Vordergrund

In traditionellem Schneiderhandwerk stellen die Manufakturen von SELFNATION jeden Tag ganz persönliche Jeans- und Chinounikate her. Nachhaltigkeit steht dabei im Vordergrund: Alle Zutaten und den Denimstoff bezieht SELFNATION aus Deutschland, der Schweiz oder Italien. So stammen die Hosenknöpfe beispielsweise aus einer 120-jährigen Metallschmiede in Wuppertal, Deutschland, und die Ledertags aus einer kleinen Firma im Nordosten Italiens.

Als erster Denimhersteller der Welt ist Italdenim Teil des Greenpeace Detox Commitment geworden. So wird garantiert, dass ausschliesslich schadstofffreie Materialien verwendet werden. Der Denimstoff wird nördlich von Mailand in einem speziellen Webverfahren aus Baumwolle hergestellt und enthält zusätzlich einen kleinen Anteil Elastan. Diese Kombination verleiht der Jeans ein angenehmes Tragegefühl den ganzen Tag über.

Aus einem speziellen Algorithmus wird nach Eingabe der Körpermasse für jeden Kunden ein individuelles Schnittmuster erstellt.

Nachhaltigkeit wird auch durch die Produktion auf Nachfrage erreicht. Weltweit werden 20 bis 30 Prozent aller Kleidungsstücke nie verkauft oder getragen und landen direkt im Müll – das passiert bei SELFNATION nicht. Denn erst nach der getätigten Bestellung über den Online-Shop erstellt das Unternehmen das Schnittmuster und produziert die Hose – und minimiert damit Überschüsse von hochwertigen Materialien.

Matteo Delbrück
Head of Marketing SELFNATION


ON

On-Laufschuhe kombinieren, was konventionelle Schuhe nicht zusammenbringen. Aus einer revolutionären Idee ist ein Schweizer Laufschuh entstanden, der die Laufsportszene auch heute noch in Erstaunen versetzt. Der On vermittelt ein neues Laufgefühl – Spass steht dabei im Vordergrund.

Was ist die Philosophie hinter den On-Schuhen?

Wir sind der Überzeugung, dass wir Menschen geboren sind, um zu laufen – nur nicht auf hartem Untergrund. Darum haben wir uns genau angeschaut, was wir Läufer brauchen: Eine weiche Landung, kombiniert mit einem festen Abstoss, wurde zum Grundprinzip der patentierten Cloud-Technologie unserer On-Schuhe. Das heisst kurz: Die Schuhe dämpfen nur dann, wenn Dämpfung gebraucht wird. Das bringt ein besonderes Laufgefühl mit sich, das Laufanfänger, aber auch Topathleten gleichermassen schätzen und das einfach Spass macht!

Die Schuhe sind zu 100 Prozent engineered in Switzerland.

Was macht die Laufschuhe so einzigartig?

On-Laufschuhe verbinden, was bisher nicht zusammenpasste: einen weichen, vollgedämpften Trainingsschuh, der den Läufer sanft landen lässt, mit einem festen Wettkampfschuh, der nach vorne pusht. Damit unterstützen die Schuhe einen natürlichen Bewegungsablauf. Sie sind zu 100 Prozent engineered in Switzerland – unser Hauptsitz ist in Zürich – und haben ein reduziertes Design: Kein Element am Schuh ist nur zur Zierde da, jedes Detail hat eine Funktion. On hat bereits mehrere Design- und Technologiepreise gewonnen, darunter den Design Preis Schweiz und den ISPO Product Of The Year Award für den besten Performance-Laufschuh.

Was brachte die Gründer dazu, den Schuh auf diese Weise zu entwickeln?

Wie oben beschrieben, waren wir der Überzeugung, Dämpfung müsse cleverer funktionieren. Diese neuartige Dämpfungsweise realisieren wir mit cleveren Gummielementen – wir nennen die Hohlelemente «Clouds» –, die das Markenzeichen von On geworden sind. Am Anfang haben uns alle für verrückt erklärt, aber nachdem sie die Schuhe anprobiert hatten, haben wir immer wieder gehört: «Das fühlt sich ganz anders an.» Aus diesen ersten Reaktionen hat sich dann übrigens auch unser Markenname entwickelt: «It feels different, it feels like switched on», war das Feedback des ersten Testläufers. Unser On-Logo ist darum auch ein Schalter, der auf «On» steht – aber das haben Sie sicherlich schon selbst entdeckt.

Kein Element am Schuh ist nur zur Zierde da, jedes Detail hat eine Funktion.

Was ist die Vision, der Wunsch für die Zukunft? Wohin geht die Entwicklung?

Wir sind aktuell die Laufschuhmarke, die weltweit am meisten neue Fans dazugewinnt. Darüber freuen wir uns natürlich sehr und wünschen, dass wir auch in Zukunft viele Läufer mit dem On-Laufgefühl begeistern können. Wir werden in den nächsten Jahren weitere Märkte direkt bedienen und unsere Internationalität ausbauen. Neben unserem Hauptsitz in Zürich haben wir bereits weitere Standorte in Portland (Oregon, USA), Yokohama (Japan) sowie Melbourne (Australien). On-Schuhe sind aktuell durch sehr gute Distributionskanäle in über 50 Ländern weltweit erhältlich.

David Allemann
Mitgründer von On

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Der Impact Hub – wo «old & new Economy» Leaders an einem Tisch sitzen

Der Impact Hub sei ein «Kraftort der Innovation und der Kollaboration», lässt sich Roger Wüthrich in der GEO zitieren. Sich selbst beschreibt der Impact Hub Bern als «das Beste aus Workspace, Ideenlabor, Business-Inkubator und Netzwerk an einem Ort». Grosse Worte – doch was genau kann man sich darunter vorstellen? Wir werfen einen Blick in das Innenleben des Impact Hub Bern.

Montagabend, Ende Oktober 2016 im Dachstock des ehemaligen Musikgeschäfts «Krompholz» in Bern: Auf einer selbst gebauten Bühne stehen die sechs Gründer des Impact Hub Bern, alle zwischen 25 und 35 Jahre alt, und erzählen was von «Community» und «Startups». Davor sitzen ungefähr 60 Personen auf unbequemen Holzstühlen und hören gespannt zu, unter ihnen Unternehmerin Nicole Loeb, die damalige amerikanische Botschafterin Suzi LeVine und Roger Wüthrich, Chief Digital Officer der Swisscom.

«Das ist die Essenz des Impact Hubs: Menschen zusammenzubringen, die sich sonst in unterschiedlichen Welten bewegen.»

Mittwochmittag, sechs Monate später, im selben Raum: Ungefähr 15 Personen bedienen sich am selbst gemachten Salatbuffet, fragen einander «wer bist du?» und tauschen sich beim gemeinsamen Mittagessen aus. Ein amerikanischer Ingenieur, der für einige Wochen als Remote aus Bern arbeitet, die Gründerin einer Organisation, die Flüchtlinge zu Unternehmern macht, und ein IT-Freelancer unterhalten sich über den Einfluss von Social Media in der Politik. Das Geschäftsleitungsmitglied einer Versicherung fragt einen Möbeldesigner über den «Design Thinking»-Hype aus. Und der Mitarbeiter eines Startups für vegane Glace diskutiert mit einer Swisscom-Mitarbeiterin und einer Grafikerin über Möglichkeiten zur Vermarktung von zuckerfreier Glace für Kinder.

Das ist die Essenz des Impact Hubs: Menschen zusammenzubringen, die sich sonst in unterschiedlichen Welten bewegen. Sie stammen aus Startups, KMU, Grossfirmen oder Verwaltung und suchen hier die Vernetzung. Im Impact Hub mietet man sich nicht einfach ein, man wird Mitglied. Es geht nicht um «co-worken», also nebeneinander arbeiten, sondern um «coworken», also miteinander arbeiten und Neues erschaffen.

Ein globales Netzwerk

Die Idee stammt nicht aus Bern, sondern entstand bereits 2005 in London. Eine Gruppe sogenannter «Social Entrepreneurs» suchte nach einem Ort, wo sie gemeinsam arbeiten und sich vernetzen konnten. Da sie keinen fanden, erschufen sie ihn kurzum selbst: Der erste Impact Hub war geboren. In den folgenden 10 Jahren breitete sich die Idee aus, ein globales Netzwerk von über 80 Hubs entstand. Dennoch ist jeder Ort einmalig, geprägt durch die jeweiligen Gründer, Mitglieder und lokalen Voraussetzungen.

«In der Schweiz öffnete 2010 der erste Impact Hub in den Zürcher Viaduktbögen seine Tore.»

In der Schweiz öffnete 2010 der erste Impact Hub in den Zürcher Viaduktbögen seine Tore, inzwischen sind Genf und Bern hinzugekommen. Die Schweizer Hubs zählen über 1200 Mitglieder, darunter Startups, Freelancer, Querdenker, Innovatoren und Visionäre. Sie kommen in den Hub, um dort im offenen Coworking-Space zu arbeiten oder um die Meetingräume zu nutzen. Sie vernetzen sich an den zahlreichen Events, unterstützen sich gegenseitig oder lancieren ganz neue Vorhaben. Mit verschiedensten Programmen wie dem «Business Helpdesk» oder der «Summerpreneurship» unterstützt der Impact Hub seine Mitglieder bei der Realisierung.

«Die bunte Mischung des Impact Hub zieht längst auch Mitarbeiter von KMU und Grossfirmen an.»

Die bunte Mischung des Impact Hub zieht längst auch Mitarbeiter von KMU und Grossfirmen an: Sie wollen nicht verpassen, was die «jungen Wilden» tun und vor allem auch wie sie es tun – denn diese prägen die Welt von morgen. Genau an dieser Schnittstelle bewegt sich auch die von Impact Hub entwickelte «Impact Academy». Die Zukunft der Arbeit wird anhand von Themen wie neuen Organisationsformen, Digitalisierung oder Generation Y fassbar gemacht.

Am ersten Impact-Hub-Event standen Nadja Perroulaz von Liip und Adi Bucher von Swisscom auf der Bühne – zwei Vertreter aus etablierten Firmen, die den Sprung bereits gewagt und Holacracy eingeführt haben. Bei Popcorn, Bier und Livemusik stellten sie sich den Fragen der Teilnehmenden: Wie ist es, sich als Chef selbst abzuschaffen? Was passiert, wenn Mitarbeiter wirklich die volle Verantwortung tragen? Wenn alle Löhne nicht nur transparent sind, sondern auch gemeinsam ausgehandelt werden? Viele der Teilnehmer trifft man nun häufiger im Hub, bei Events oder zum Coworken. Denn was den Impact Hub ausmacht, ist schwer in einen Text zu fassen oder in einem Talk zu vermitteln: Man muss darin eintauchen und es erleben.

Miriam Gantert
Physikerin ETH und Co-Gründerin von Impact Hub Bern