«360-Grad-Leadership»

Fast die Hälfte der Unternehmen im deutschsprachigen Raum hat noch keinen modernen Führungsansatz. Ein weiteres Drittel hat sich entweder der inspirierenden oder der geteilten Führung gewidmet. Und erst rund 22 Prozent der Unternehmen setzen auf eine Kombination dieser beiden Facetten moderner Führung: die Ermächtigung der Mitarbeiter durch aufgeteilte, in Rollen oder Projekten organisierte Führungsaufgaben und ein Führungsmodell mit erklärender, sinnstiftender und damit motivierender Führung.

Dabei, das zeigt die Top-Job Studie der Universität St. Gallen, zahlt sich die Kombination der beiden modernen Führungsfacetten aus: Denn die Vorteile einer an die Dynamik der digitalisierten Welt angepassten Führungsstruktur lässt sich nicht nur an den Kennzahlen der Produktion ablesen. Zugleich lohnt es sich, die Auswirkungen der Führung auf Motivation, Unternehmergeist und Energie der Mitarbeiter zu untersuchen. Leadership hat auf beide Bereiche deutliche und messbare Auswirkungen.

Die Studie hat in einer Befragung von fast 20’000 Mitarbeitenden und Führungskräften von knapp 90 Unternehmen mehrheitlich in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen aufgezeigt, dass die beiden neuen Führungsfacetten einzeln angewandt positive Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg, die Innovation und die Stimmung im Unternehmen haben – aber noch weit besser wirken, wenn sie kombiniert angewandt werden.

So steigt beispielsweise die Mitarbeiterproduktivität bei inspirierender Führung um sieben und bei geteilter Führung um elf Prozent im Vergleich zum herkömmlichen autoritären Führungsmodell. Letzteres oder gar eine Laissez-faire-Führung bremsen die Innovationsleistung in einem Unternehmen um 5 respektive volle 17 Prozent, während die inspirierende Führung sie um 14 Prozent anhebt.

Am deutlichsten werden die Unterschiede im Unternehmergeist der Belegschaft: Die Kreativität der Mitarbeitenden in Unternehmen mit hoher inspirierender Führung liegt demnach bis zu 33 Prozent höher als bei solchen mit einer geringen inspirierenden Führung. Das Engagement nimmt dank der Inspiration ebenfalls um bis zu 20 Prozent zu und Resignation und Erschöpfung nehmen stark ab.

Die Studie zeigt in einem Zwei-Dimensionen-Modell auf, dass eine Führung mit geringer Teilung und geringer Inspiration («0-Grad-Leadership») sich entwicklungshemmend auf ein Unternehmen auswirkt, während die «360-Grad-Leadership», also die Kombination aus inspirierender und geteilter Führung, die 22 Prozent der Unternehmen bereits realisiert haben, zur höchsten Leistungssteigerung des Unternehmens führt.

Der Weg dorthin ist allerdings eine Herausforderung und die Studie empfiehlt, zuerst die inspirierende Führung und im zweiten Schritt die geteilte Führung auszubauen. Ausserdem haben die Autorinnen Prof. Dr. Heike Bruch, Jessica Färber und Christina Block sechs Mythen der modernen Führung entschlüsselt. Dazu gehört, dass eine geteilte Führung die inspirierende Führung überflüssig mache, dass sich moderne Führung auf Knopfdruck umsetzen lasse, dass es Führungskräfte mit modernen Führungsstilen automatisch leichter hätten, dass mit geteilter Führung alles erreicht werden könne, dass alle Spass daran hätten oder dass sie alle bevorzugten Führungsaufgaben vereine.

Leadership der Zukunft – Zwischen Inspiration und Empowerment

Topjob-Trendstudie, Herausgeber: zeag GmbH, Zentrum für Arbeitgeberattraktivität, Turmstr. 12, 78467 Konstanz, Kostenlos zu beziehen bei tobjob.de